Review

„Fragmente“ – besser hätte man den Titel für Dan Wells‘ zweiten Band seiner „Partials“-Trilogie nicht wählen können, denn wunderbar spiegelt er das wider, was die Leser hier erwartet.

Immer weitere einzelne Puzzlestücke bietet Wells nämlich an, die dabei helfen, die bisherigen Geheimnisse in „Partials“ Stück für Stück weiter zu lüften. Gemeinsam mit der Protagonistin saugt der Leser damit alle angebotenen Fragmente auf, um sie zu einem großen Ganzen zusammenzusetzen und Schlüsse über die bisherigen Geschehnisse und Zusammenhänge ziehen zu können.
Doch Wells wäre nicht so erfolgreich, wenn er damit schon den weiteren Handlungsverlauf vorausahnen lässt; vielmehr stößt man durch die Fragmente an neu gewonnenem Wissen auf weitere Rätsel, Fragen und Ungereimtheiten, die „Partials“ zu bieten hat. Dies erhöht die Spannung ungemein.

Langeweile kommt daher nicht auf. Im Gegenteil, will der Leser doch unbedingt wissen, wie es weitergeht und welche Überraschungen noch zu erwarten sind. Fragment für Fragment setzt Wells damit seinen Roman zusammen, ohne dass dies zu aufgesetzt oder unharmonisch wirkt.

Nahtlos knüpft „Fragmente“ allerdings dabei inhaltlich an das Debüt namens „Aufbruch“ an. Schwierig für jene, denen die Anfänge der Trilogie noch nicht geläufig sind, denn Vorkenntnisse über Figuren, Handlungsrahmen und Beziehungen der Charaktere untereinander sollte man mitbringen, um der immer komplexer werdenden Geschichte auch weiterhin problemlos folgen zu können.

Dem Autor gelingt es davon abgesehen jedoch, in ausschweifenden Passagen den Verfall, die Zerstörung und die Tristesse seiner beschriebenen Welt, Amerika um 2076 nach dem großen Krieg der Partials gegen die Menschen und dessen Folgen, zu beschreiben.
Sein schonungsloser und authentisch wirkender Detailreichtum baut eine fesselnde sowie erschütternde und beklemmende Atmosphäre auf, ohne langatmig zu erscheinen.

Dan Wells (Copyright: Micah Demoux)

Dan Wells (Copyright: Micah Demoux)

Die Dramatik und Brutalität des Romans sind dieses Mal nicht in herausragenden Kampfsequenzen untergebracht, sondern werden nahezu beiläufig und subtil integriert, was dazu führt, dass sie an Bedeutung nur noch mehr gewinnen und jeder erwähnte Verlust den Leser zu erschüttern versteht.

Wer Dan Wells bereits durch seine „Serienkiller“-Reihe kennt, weiß, dass sein Schreibstil in dieser dystopischen Trilogie ganz anders ausfällt, als man ihn von ihm gewohnt ist. Gut so, beweist er damit doch sein schriftstellerisches Talent und seine stilistische Wandlungsfähigkeit.
Leicht zu lesen ist „Fragments“ dennoch. Gleichzeitig ist der Roman aber wesentlich anspruchsvoller ausgefallen als andere Werke dieses Genres. Thematiken wie Gentechnik, Biosynthese, Ethik und ein Hauch Philosophie werden fachlich kompetent und trotzdem verständlich und nicht zu sachlich in das Buch integriert.
Seine Schreibe sorgt dafür, dass insbesondere die Dialoge und die Figurenausarbeitung überzeugen und den Leser in ihren Bann ziehen.

Wie man es auch nennen mag, ob futuristischer Thriller oder Dystopie, eins steht fest: Dan Wells macht es gerade seinen jungen Lesern nicht unbedingt leicht. Viele moralische Entscheidungen, heraufbeschworene Dilemmata und ethische Fragestellungen begleiten den zweiten Teil der „Partials“-Reihe.
Diese drückt Wells häufig in Zwiegesprächen oder inneren (kursiv gedruckten) Monologen aus, die die Wertigkeit und Folgen von Entscheidungen einer Figur in ein ganz neues Licht stellen. Nicht nur die Charaktere überdenken daher ihre Taten und stellen sich die Frage nach der Schuld an und moralischen Vertretbarkeit von gewissen Ereignissen, sondern auch der Leser denkt über den gehaltvollen Inhalt, verpackt in einem Jugendroman, intensiv nach.

Da Wells sein Werk mit einem spannenden Cliffhanger beendet, der neugierig auf mehr macht, gilt es, die Veröffentlichung des nächsten Bandes über die in Trümmern liegende Welt abzuwarten.

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Klappentext

In ferner Zukunft wurde die Menschheit durch den Isolationskrieg fast vollständig vernichtet – besiegt von den Partials, künstlichen Kriegern, die die Menschen selbst erschaffen hatten. Eine der letzten Überlebenden ist Kira Walker, die erfahren hat, dass sie selbst ein verhängnisvolles Erbe in sich trägt, von dem sie nichts ahnte. Auf der Suche nach ihrer eigenen Herkunft muss sie sich ausgerechnet auf die Hilfe zweier Partials verlassen – Samm und Heron, die als Einzige ihr Geheimnis kennen. Kiras Weg führt sie durch das verwüstete Land, das der Isolationskrieg aus dem nordamerikanischen Kontinent gemacht hat – und dort wird sie dem schrecklichsten Feind begegnen, den die Menschheit je gekannt hat …
(Quelle: Piper Verlag)

Autor

Dan Wells studierte Englisch an der Brigham Young University in Provo, Utah. Der überzeugte Mormone war Redakteur beim Science-Fiction-Magazin „The Leading Edge“. Mit „Ich bin kein Serienkiller“ erschuf er das kontroverseste und ungewöhnlichste Thrillerdebüt der letzten Jahre. Seine Romane um den jungen Killer John Cleaver sind große Erfolge.
„Partials“, der Auftakt zu seiner neuen Young-Adult-Serie, eroberte den US-Buchmarkt im Sturm.
(Quelle: Piper Verlag)

Dan Wells – Homepage
Dan Wells – Blog
Dan Wells – Facebook

Trilogie

bisher erschienen:

Partials 01 – Aufbruch
Partials 02 – Fragmente

Details

Format: Hardcover; Gebunden mit Schutzumschlag
Veröffentlichung: 10.03.2014
Seitenzahl: 576
ISBN: 978-3-492-70283-6
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Piper Verlag

Copright Cover: Piper Verlag



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde