Review

Nach mittlerweile drei Sonderbänden zum zweiten Krieg der Superhelden präsentiert Panini den geneigten Lesern des Crossovers „Civil War II“ den „Civil War II Megaband“. Dieser üppige Megaband umfasst auf seinen über 320 Seiten sowohl abgeschlossene Mini-Serien als auch einige einzelne Eventkapitel.

Wer mehr über den aktuellen Stand der Hauptserie „Civil War II“ erfahren möchte, der möge einen Blick auf unsere Rezension zu „Civil War II Sonderband 3: X-Men“ werfen, die aber auch einige Spoiler enthält.

Den Auftakt in dieser vollgepackten Ausgabe macht der korpulente Bösewicht Kingpin Wilson Fisk. Dieser ist erst jüngst aus San Francisco in sein geliebtes New York zurückgekehrt, wo er einst wie ein König herrschte. Im Schatten des zweiten Superheldenkrieges will der Kingpin die Zügel wieder übernehmen. Dabei geht Wilson einen Bund mit dem unscheinbaren Janus Jardeesh ein. Das Besondere an diesem schmächtigen Zeitgenossen ist für den Kingpin:

Captain Marvel und ihre Leute können nicht vorhersehen, was du tun wirst, richtig?

Die Visionen des jungen Inhumans Ulysses, die künftige Verbrechen zeigen, erfassen also nicht dessen Tun.
Im weiteren Verlauf der Story erleben wir noch Verrat, eine versuchte Machtübernahme zulasten des Kingpin und auch eine blutrünstige und brachial inszenierte Konfrontation zwischen dem Punisher und dem Kingpin.
Die Story vermittelt einen Hauch von Noir und das Comeback von Wilson Fisk unterhält durchaus kurzweilig. Das Artwork kann jedoch nicht durchweg überzeugen; oft zu schemenhaft, grob und nicht eben formvollendet.

Damit kommen wir zu einer Mini-Serie um den Seher Ulysses, die wie eine Art Prequel zur Hauptserie funktioniert.
Medusa, die Königin der Inhumans, bringt Ulysses und einige andere junge Begabte zum Turm der Weisheit. Dort wartet der philosophische Karnak, der Kampfmönch aus dem außergewöhnlichen Volk der Inhumans. Dieser kann auf einen Blick die Schwäche in allen Dingen, Strukturen und Konzepten sehen und soll die Ausbildung übernehmen; vor allem Ulysses soll er dabei helfen, seine Fähigkeiten zu ergründen.
Auch wenn die Dynamik zwischen dem bärbeißigen und knurrigen Kampfmönch und dem Seher einen gewissen Reiz hat, ist dieser Abschnitt insgesamt doch etwas zu dünn erzählt und man hätte sich noch mehr als nur eine wichtige Lektion in dessen Werdegang gewünscht. Das Artwork ist hier schon gefälliger, aber auch nicht das oberste Regal der Marvel-Künstler.

Gleich vorweg: Im dritten Abschnitt, mit den Kapiteln „Captain America: Sam Wilson 10-13“, funktioniert sowohl das Storytelling als auch das ästhetische Artwork wunderbar; insgesamt betrachtet wohl das Filetstück in diesem Megaband.
Der geflügelte Captain America muss sich hier mit so einigen Problemen herumschlagen: Er erlebt eine ganz andere Art des Bürgerkrieges, da die private Americops-Polizeitruppe Unruhe stiftet und dabei insbesondere gegen die dunkelhäutige Bevölkerung vorgeht. Außerdem muss er sich mit einer Bewegung abfinden, die unter dem Motto „#gibdenschildzurück“ gegen ihn aufbegehrt. Eine durchaus missliche Situation, denn Sam ist ein Schwarzer. Und Captain America. Niemand bemerkt die Geschichte, wenn sie passiert, aber (…) das ist keine Kleinigkeit. (…) Hoffnung ist ein knappes Gut (…) aber wenigstens haben sie noch dich.“

Sam kann also nicht einfach den Schild abtreten, denn er ist der große Hoffnungsträger für einen wesentlichen Teil der Bevölkerung, der weiterhin aus der Gesellschaft ausgeschlossen wird. In dieser Story wird auch die Brücke zum Heldenkrieg noch geschlagen, wenn Captain Marvel und Iron Man um die Unterstützung von Sam Wilson buhlen und dieser sich erfrischend deutlich zu einer der beiden Seiten bekennt, obwohl er mit beiden Rädelsführern befreundet ist. Eine starke Story mit einem durchaus gelungenen Subtext zur amerikanischen Gesellschaft.

Den Abschluss der Ausgabe bilden dann zwei Einzelkapitel, und zwar „Scarlet Witch 9“ und „Thunderbolts 5“. Die bessere der beiden Geschichten behandelt ein Streitgespräch zwischen der Scarlet Witch und ihrem Bruder Quicksilver, in dem sich die beiden ob ihrer Lagerzugehörigkeit entfremden. Das Kapitel um den Winter Soldier setzt nach dem aktuellsten Heft 6 der Hauptserie an. Ulysses hat bereits antizipiert, dass Spider-Man Miles Morales etwas Schreckliches tun könnte. Der Winter Soldier, nicht fähig die Tragödie abzuwarten, nimmt Spider-Man ins Visier.

Abschließend lässt sich urteilen, dass auch der „Civil War II Megaband“ ganz sicher keine unentbehrliche Lektüre ist. Nichtsdestotrotz beschert er dem Leser mit seinem umfangreichen Inhalt eine sehr kurzweilige Lesezeit und kann mit einigen netten Ergänzungen zum Crossover „Civil War II“ aufwarten. Daher gibt es hier gut gemeinte 3,5 Sterne!

Inhalt

Selbst der kriminelle Kingpin bekommt die Auswirkungen des zweiten Superheldenkriegs zu spüren und trifft u. a. auf den Punisher! Und während Karnak dem jungen Ulysses eine Lektion erteilt, tritt Captain America einer privaten Polizeiarmee und US Agent entgegen. Zudem streiten Scarlet Witch und Quicksilver, und Winter Soldier nimmt Miles Morales ins Visier.

(Quelle: Panini Verlag)

Details

Format: Softcover
Veröffentlichung: 09.05.2017
Seitenzahl: 324
Storys: CW II: Kingpin 1-3 / CW II: Ulysses 1-3 / Captain America: Sam Wilson 10-13 / Scarlet Witch 9 / Thunderbolts 5
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Panini Comics

Copyright Cover: Panini Comics



Über den Autor

Fabian
Fabian
Warum denn so ernst?