Review

Wer den Vampirjäger Baltimore kennt, der kennt nicht nur seinen „Schöpfer“ Mike Mignola, sondern auch dessen Kollegen und Co-Autor Christopher Golden. Sich ebenso im Romansektor mit Werken zu „Buffy“ und „Sons of Anarchy“ austobend, hält der Horror-, Fantasy- und Thrillerschreiber nun ein neues Werk im Cross Cult Verlag parat.

Mit dem Mystery-Thriller „Snowblind. Tödlicher Schnee“ katapultiert Golden die klassische Geistergeschichte in die Neuzeit und den Leser in ein eiskaltes Lesevergnügen.

Dies verheißt zumindest Stephen King, dessen Kommentar das gelungene stimmungsvolle frostige Cover ziert und da lautet:

Packend und angsteinflößend.
Dieser Roman lässt deine Knochen und dein Herz gefrieren – selbst im Hochsommer.
Wirf all deine alten „Es war eine finstere und stürmische Nacht“-Geschichten weg; der hier ist der einzig wahre.
Und nimm dich in Acht vor der letzten Seite. Die ist ein Killer.

Große Worte, denen Christopher Golden letztendlich jedoch nur bedingt gerecht wird.

Der Autor nimmt sich zu Beginn des Werkes zunächst viel Zeit, die einzelnen Figuren vorzustellen. Der Leser lernt sie kennen, baut bereits zu diesem frühen Zeitpunkt dank plastischer und ausreichend detaillierter Darstellungsweise Nähe auf – und muss schon auf den nächsten Seiten miterleben, wie ihm die gerade noch nähergebrachten Charaktere nach und nach wieder genommen werden. Und das auf mysteriöse Art und Weise …

Neugierde wird somit bereits mit den ersten Seiten geweckt. Doch leider führt der vorläufige Fokus auf die Figuren dazu, dass sich die sowieso eher subtil erzeugte Spannung nicht so recht einstellen möchte. Das berühmte Gänsehautgefühl bleibt somit auf den ersten satten 200 von insgesamt 464 Seiten aus, dafür stellt sich aber immerhin die Frage, wie es weitergehen und wo die Geschichte noch hinführen wird. Gebannt harrt man somit aus und liest sich dem von King angepriesenen Finale bzw. der letzten Seite entgegen. Doch auch hier muss man ernüchternd feststellen, dass die Definition der Umschreibung „Killer“ wohl sehr subjektiv ausfällt. Trotz einiger Wendungen und dramatischer Figurenverluste geht „Snowblind“ kaum unter die Haut und stimmt diesen Eindruck auch mit seinem Ende nicht um.

Christopher Golden (Copyright: Christopher Golden)

Im Gegensatz zur gemäßigten und subtil gestreuten Spannung geht Golden mit Produktplatzierungen allerdings weitaus weniger dezent um. Eine Vorliebe für Oreo und Corona findet in „Snowblind“ derart auffällig ihren Platz, dass manch Leser beinahe beginnt, über die Relevanz dieser beiden Marken (vor allem in Hinblick auf den Romaninhalt) zu spekulieren. Hier ist der Detailreichtum eventuell ein wenig über das Ziel hinausgeschossen, während man sich an anderen Stellen drastischere Ausarbeitungen gewünscht hätte – und jene sogar nötig gewesen wären, um sowohl die Komponenten Mystery als auch Thriller expliziter zu betonen.

Das Wegwerfen der alten „Es war eine finstere und stürmische Nacht“-Romane sollte man somit eventuell noch einmal überdenken, denn einen adäquaten Ersatz dafür liefert Christopher Golden mit „Snowblind“ nicht ganz. Eine moderne Alternative, die flüssig und schnell zu lesen ist und mit guten, aussagekräftigen und Profil besitzenden Figuren daherkommt, wird man in seinem Roman dennoch finden, sodass Genre-Fans einen Blick riskieren sollten.

Inhalt

Das kleine Städtchen Coventry in Neuengland hat schon Tausende Schneestürme erlebt … aber noch keinen wie diesen. Menschen gingen in das Unwetter und kamen nie mehr zuruck.

Jetzt, zwölf Jahre später, zieht ein weiterer Sturm herauf und die Bewohner von Coventry erinnern sich an diejenigen, die sie im Schnee verloren haben. Ein Fotograf trauert um seinen kleinen Bruder – auch heute Nacht wird wieder ein kleiner Junge vermisst. Der Tod der Frau eines Gelegenheitsdiebs hat tiefe Narben in seinem Leben hinterlassen. Und auf der anderen Seite des Landes erhält eine junge Frau einen Anruf … von einem Mann, der seit zwölf Jahren tot ist.

Dieser Sturm wird sich als noch schrecklicher als der letzte erweisen. Und die Erkenntnis bringen, dass der Albtraum gerade erst anfängt.

(Quelle: Cross Cult)

Autor

Christopher Golden
ist der mehrfach ausgezeichnete Autor vieler Fantasy-, Mystery- und Horror-Romane („Buffy“, „The Myth Hunters“, „Strangewood“ uvm.) und Comics. Seine Bücher erschienen bislang mit einer Auflage von über 8 Millionen Exemplaren.
Er lebt mit seiner Familie in Massachusetts, USA.

(Quelle: Cross Cult)

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Details

Format: Paperback
Vö-Datum: 04.09.2017
Seitenzahl: 464
ISBN: 978-3-95981-194-1
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Cross Cult

Copyright Cover: Cross Cult



Über den Autor

Conny
Conny

„Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert.“ – Oscar Wilde