Review

„Wer schuld war“ von Christa Bernuth ist ein recht besonderes Buch, denn im Gegensatz zu anderen Veröffentlichungen des Thriller-Genres gibt es zwar einen Todesfall, es wird aber keinesfalls klassisch ermittelt.

Paul ist tot. Das ist eine unumstößliche Tatsache. Erst nach einiger Zeit wird seinen Freunden bewusst, dass er möglicherweise keines natürlichen Todes gestorben ist und die Polizei bereits in diesem Fall ermittelt. Doch wer könnte Paul umgebracht haben und vor allem: Warum?

Dies ist zusammengefasst eigentlich schon der komplette Plot von „Wer schuld war“. Nachdem der Leser erfährt, dass Paul tot ist, beginnt ein rasanter Perspektivwechsel. Denn ab diesem Zeitpunkt nimmt man am Leben von Pauls Freunden teil. Jeweils aus der Ich-Perspektive sind die Inhalte zunächst extrem trivial und scheinen nichts mit dem Tod von Paul zu tun zu haben, was unweigerlich dafür sorgt, dass man sich fragt, in welche Richtung dieses Buch gehen will.

Dieses Gefühl bleibt bis ungefähr zum letzten Drittel des Buches bestehen, was ziemlich genau dem Zeitpunkt entspricht, zu dem der berühmte Groschen fällt. Denn Christa Bernuth bringt den Leser der Lösung des Rätsels auf diese wahrlich unkonventionelle Art und Weise so langsam näher, dass er es zunächst gar nicht merkt.

Dabei schickt Bernuth ihre Leser durch die Leben eines recht großen Freundeskreises. Auch jene, die Paul nur am Rande kannten, werden beleuchtet. Dieses Vorgehen sorgt dafür, dass Christa Bernuth auf eine sehr spannende Art etliche sehr detailliert ausgearbeitete Figuren einbringen kann. Sie überlasst es allein dem Leser, sich eine Meinung zu den jeweiligen Charakteren zu bilden, da man sie nur aus der Perspektive der jeweiligen Figur kennenlernt.

Christa Bernuth (Copyright: Christa Bernuth)

Christa Bernuth (Copyright: Christa Bernuth)

Diese Kennenlernphase zieht sich recht lange hin und in diesem Zeitraum ist „Wer schuld war“ nahezu gänzlich unspannend. Lediglich immer wieder gestreute Hinweise und Vermutungen, die jedoch ziemlich spärlich sind, lassen zwischenzeitlich Spannung durchblitzen. Doch ungefähr ab dem letzten Drittel explodiert die Geschichte regelrecht und erreicht eine unerwartete Dramatik, die genau wegen dieses Vorgehens sehr intensiv wirkt.

Plötzlich ist „Wer schuld war“ packend und voller Rätsel und Widersprüche, die in einem grandiosen Finale aufgelöst werden.

„Wer schuld war“ ist ein Buch, das auf jeden Fall anders ist. Es braucht einiges an Motivation, bis zum Finale zu lesen, dieser Aufwand lohnt sich jedoch auf alle Fälle.

Christa Bernuth hat eine extrem verworrene Geschichte gesponnen, die ihr Potenzial optimal ausnutzt und den Leser am Ende auf jeden Fall positiv überrascht.

Klappentext

Der Hass. Der kommt, wenn die Liebe sich verzogen hat, aber kein Ersatz da ist. Da ist dann ein Loch, und das ist der Hass.

Warum musste Paul sterben? Wer übernimmt die Verantwortung für den Tod eines Freundes?

(Copyright: dtv)

Autor

Christa Bernuth arbeitete nach dem Studium an der Deutschen Journalistenschule in München viele Jahre als freie Journalistin für verschiedene Zeitungen und Magazine. Ihre Kriminalromane wurden in mehrere Sprachen übersetzt und drei davon verfilmt. 2010 erschien ihr Roman „Wer schuld war“.
Christa Bernuth lebt mit ihrem Mann in München.

(Copyright: dtv)

Christa Bernuth – Homepage

Details

Format: Broschiert
Vö-Datum: 01.11.2010
Seitenzahl: 220
ISBN: 978-3-423-24813-6
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: dtv

Copyright Cover: dtv



Über den Autor

Stefan †
Stefan †
Die Lücke, die Stefan als Magazinmitbegründer, Administrator, Redakteur und Freund durch seinen plötzlichen und viel zu frühen Tod im Dezember 2014 hinterlässt, bleibt groß. Er wird immer in unseren Herzen und ein Teil des DeepGround Magazines bleiben.