Review

Wie in unserer kürzlich erschienenen Besprechung zum „Secret Empire Sonderband 2 (von 3): Inhumans gegen Hydra“ bereits ausgeführt, ist das große Crossover-Event „Secret Empire“ mittlerweile schon wieder vorüber und die „Marvel Legacy“-Ära steht in den Startlöchern.

Selbstverständlich schauen wir uns aber noch die das Event begleitende Lektüre bis zum Ende an. So kommt zeitnah noch eine Review zum dritten Sonderband sowie die vorliegende zu „Captain America – Steve Rogers 5: Der Anschlag“, der sich sicherlich auch als Ergänzungsband zu „Secret Empire“ begreift. Schließlich stammt die Serie um Hydras aktuellen charismatischen Obersten Anführer Steve Rogers auch aus der Feder vom Autor des Crossover-Events Nick Spencer und diente primär dem systematischen Aufbau von Captain Americas Machtgreifung in den USA („Captain America – Steve Rogers 2: Der Krieg der Helden“, „Captain America – Steve Rogers 3: Hydra über alles“, „Captain America – Steve Rogers 4: Der Niedergang einer Legende“).

Der vorliegende fünfte Sammelband zu „Steve Rogers“ umfasst die US-Ausgaben „Captain America – Steve Rogers #17-19“ sowie „Captain America #25“ und Nick Spencer wird hier von Autor-Newcomer Donny Cates unterstützt.

Der Fokus der Ausgabe liegt darauf, Hintergründe und Details für verschiedene Zeitpunkte und Aspekte der Hauptserie von „Secret Empire“ zu liefern. Wer das Crossover also gar nicht liest, für den hat der vorliegende Ergänzungsband eigentlich keinen Mehrwert zu bieten. Für alle Event-Leser ist diese Ausgabe allerdings äußerst reizvoll und empfehlenswert.

In einem Streitgespräch mit einer Reporterin, die Steve Rogers schon seit dem ersten Krieg der Helden „Civil War“ kennt, wird über die Umstände der Machtergreifung und das Klima im Land gesprochen. Dabei wird der Journalistin auch ein Rahmen vorgegeben, in dem sich die Fragen halten sollen und dürfen. Hier erfährt der Leser auch Details zur Ausgrenzung der Mutanten in New Tian – dem früheren Kalifornien – und über den Pakt der X-Men mit dem neuen totalitären US-Regime. Die Verbringung der Inhumans in Gefangenenlager wird auch noch einmal beleuchtet.

Alte Freunde und Verbündete des Führers Steve Rogers, wie vor allem Sharon Carter, Namor und Wakandas Black Panther, versuchen, sich ihm und seiner faschistischen Organisation Hydra zu widersetzen. Zuvor hatte Captain America eine bedrohliche Rede zur neuen Außenpolitik der Vereinigten Staaten in einer Sondersitzung der Vereinten Nationen gehalten. Dabei wird deutlich, dass längst nicht die ganze Welt mit Skepsis auf die radikale Entwicklung in den USA blickt und sich sogar schon Hydra-Splittergruppen bilden. Die populistische und nationalistische Sichtweise scheint für viele wieder ein erstrebenswerter Zustand zu sein und Hydra rennt offene Türen ein …

Gerade der letzte Abschnitt sollte verdeutlichen, warum die Arbeit des Autors Nick Spencer an seinem entfremdeten Captain America so gut und lesenswert ist. Hier werden längst vergangen geglaubte und doch wieder schmerzlich aktuelle Geschehnisse der Menschheitsgeschichte fiktiv hervorragend aufbereitet. Global erstarken die rechten Kräfte wieder und Nationalismus und Fremdenhass scheinen – selbst hierzulande – erneut salonfähig zu werden. Mit diesen Themen und Beobachtungen spielt der frühere Politiker Nick Spencer äußerst gekonnt und bringt dabei spielerisch sogar Anspielungen auf den isolationistischen „America First“-Slogan, die aktuell wieder viel bemühte Lügenpresse und weitere Verweise auf den Nationalsozialismus, wie etwa reichlich Arbeitsplätze durch politische Provokation und eine angekurbelte Rüstungsindustrie, unter.

Insbesondere weil Spencers Arbeit an Steve Rogers derart gelungen und clever inszeniert ist, kann man sein Event „Secret Empire“ womöglich als enttäuschend empfinden, da dieses doch recht unspektakulär daherkommt und ein gewisses „more of the same“-Gefühl beim Leser hervorruft, wenn es um die aktuellen Crossover und die (permanenten) Reboots bei Marvel – wie auch bei DC – geht.

Wer sich „Secret Empire“ zur Brust nimmt, sollte sich keinesfalls die Ergänzungsbände um den erschreckend ekligen, gefühlskalten und daher nicht wiederzuerkennenden Captain America Steve Rogers entgehen lassen, die erst dafür sorgen, dass sich das Crossover wie ein richtig rundes Kapitel der Marvel-Geschichte anfühlt. Da Ausgabe fünf ebenfalls wieder ausgezeichnet bebildert ist, etwa von Jesus Saiz oder auch Javier Pina, bleibt es dabei, dass wir hier nur lobende Worte finden – abermals eine vier Sterne-Ausgabe. 

Inhalt

Steve Rogers hat die USA in einen totalitären Staat unter dem Banner von Hydra verwandelt und fordert bedingungslosen Gehorsam. Widerstand wird mit dem Tod bestraft. Auch gegen seine ältesten Freunde geht das ehemalige Symbol der Freiheit mit äußerster Härte vor. Als er auch der Weltgemeinschaft seinen Willen aufzwingen will, eskaliert die Lage …

(Quelle: Panini Comics)

Autor

Nick Spencer
ist ein ehemaliger Politiker und heutiger US-amerikanischer Comicautor.

(Quelle: Wikipedia)

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Details

Format: Softcover
Vö-Datum: 02.05.2018
Originalausgaben: Captain America: Steve Rogers 17-19 / Captain America 25
Seitenzahl: 100
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Panini Verlag

Copyright Cover: Panini Verlag



Über den Autor

Fabian
Fabian
Warum denn so ernst?