Review

Versteckt die Bierdosen und macht Facebook zu… Captain America ist an Bord.

Man kann sagen: Für Steve Rogers, Agent von Hydra, läuft alles wie am Schnürchen, ohne hier zu viel verraten zu wollen. Wer die umwälzenden Veränderungen in Bezug auf das personifizierte Symbol der USA bis jetzt verpasst haben sollte, der wirft womöglich zunächst einen Blick auf unsere Besprechung zu Captain America – Steve Rogers 2: Der Krieg der Helden“.

In aller Kürze sei zur Einstimmung auf „Captain America – Steve Rogers 3: Hydra über alles“ noch einmal in Erinnerung gerufen, dass die gesamte Lebensgeschichte von Steve Rogers kürzlich von Kobik umgeschrieben worden ist. Die Ikone Captain America ist nunmehr der Auffassung, er sei schon seit Kindestagen ein loyaler Anhänger der Terrororganisation Hydra.

In der vorliegenden Ausgabe plant der originale Wächter der Freiheit unbemerkt und mit zunehmendem Eifer, Hydra zu alter Stärke und Größe zu verhelfen. Unterdessen lässt der Red Skull, der momentan wieder sehr umtriebig ist (jüngst als Gegenspieler in „Uncanny Avengers 5“), seine Truppen in Europa aufmarschieren und verbreitet unter der Parole „Heil Hydra“ seine Hetze und Propaganda. Nicht ahnend, dass sein wichtigster Agent Steve Rogers mittlerweile die Meinung vertritt, dass es unmöglich sei, mit Johann Shmidt an der Spitze Hydra zu alter Größe zurückzuführen und der daher eigene Ziele verfolgt – „Make America Great Again“, die Steve Rogers-Version.

In der Zwischenzeit kommen auch erhebliche Unwägbarkeiten auf S.H.I.E.L.D.-Direktorin Maria Hill zu. Ein Tribunal des Weltsicherheitsrates versammelt sich, um ihre Leistungen zu bewerten und insbesondere um zu überprüfen, ob sie ihren Aufgaben auch zukünftig noch gewachsen ist. Ihre Zukunft steht indes sowohl aufgrund begangener Fehler als auch hinsichtlich zukünftiger Planungen unter einem schlechten Stern und die Zeichen auf Abschied. Insbesondere, dass die S.H.I.E.L.D.-Chefin Hill kürzlich im Verborgenen Superschurken nach einer Gehirnwäsche in der künstlichen, idyllischen Kleinstadt Pleasant Hill als Gefangene gehalten hat („Standoff – ohne Ausweg“), ist auf wenig Gegenliebe gestoßen.

Außerdem steht eine massive Ausweitung der Befugnisse von S.H.I.E.L.D. mit der Verabschiedung des sogenannten S.H.I.E.L.D.-Gesetzes unmittelbar bevor. Dieses würde der Organisation Massenüberwachung, Abhören ohne richterlichen Beschluss, Datensammlung in großem Stil und allerlei mehr Überwachungsstaat-Methoden ermöglichen. Im Falle des nationalen Notstandes fiele der Behörde gar die oberste Polizeigewalt zu. Wer auch immer dann der neue Kopf von S.H.I.E.L.D. sein soll, der trägt auch diesbezüglich die Verantwortung. Schwer vorstellbar, dass man dies Maria Hill nach ihren Eskapaden noch zutraut, oder?
Ob sie tatsächlich ihres Amtes enthoben wird und ob es schon einen Nachfolger gibt, müsst ihr aber selber nachlesen.

Der Ex-Politiker und aktuelle „Captain America“-Autor Nick Spencer treibt seine brisante und konfliktträchtige Story um die amerikanische Legende hier gekonnt voran. Immer mehr erfahren wir über die perfiden und heimtückischen Pläne eines der größten amerikanischen Helden und blicken tiefer in die neu geschriebene, geheime Geschichte von Steve Rogers.

Dabei sei Freunden großer Action gegenüber der Hinweis erlaubt, dass es hier sehr textlastig und entschleunigt zugeht. Monologe, Dialoge, Reden, Ansprachen, Rückblenden, aber keine Action oder gar Nervenkitzel. Wer sich das von dem Comic-Buch seiner Wahl erhofft, der greift lieber zu einem anderen Titel. Die Story bleibt aber allein aufgrund ihrer Prämisse, die Legende von Captain America völlig umzuschreiben und ihn zu einem treugesinnten Mitglied von Hydra zu machen, hochspannend und fesselnd. Wir beobachten nach und nach die „Machtergreifung“ von Steve Rogers und dürfen gespannt sein, was uns in dem Event „Secret Empire“, ebenfalls von Nick Spencer, im kommenden Jahr erwartet.

Das Artwork stammt neben Javier Pina, der schon zuletzt den Zeichenstift geschwungen hat, noch von diversen anderen Zeichnern. Überwiegend bebildert hier aber Jesus Saiz die Ausgabe und liefert sehr ansehnliche Arbeit ab. Vereinzelt finden sich mal verzerrte Visagen und weniger gelungene Panels, aber insgesamt vermag dies den Lesegenuss nicht zu trüben.

„Captain America – Steve Rogers 3: Hydra über alles“ dürfte den Lesern der Reihe weiterhin gut gefallen und macht Lust auf mehr. Wer die Idee vorher schon nicht mochte oder seine Superhelden-Geschichten rasant und actiongeladen bevorzugt, wird hier (bislang) sicherlich nicht auf seine Kosten kommen.

Inhalt

Während der Red Skull seine Truppen in Europa aufmarschieren lässt, wird Maria Hill vor Gericht gestellt und S.H.I.E.L.D. löst sich langsam in seine Bestandteile auf. Als dann noch Steve Rogers eine Linie überschreitet und Baron Zemo zurückkehrt, droht das gesamte Marvel-Universum vor die Hunde zu gehen. Aber wer wird der neue Kopf von S.H.I.E.L.D.? Die Antwort wird euch paralysieren.

(Quelle: Panini Comics)

Autor

Nick Spencer
ist ein ehemaliger Politiker und heutiger US-amerikanischer Comicautor.

(Quelle: Wikipedia)

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Details

Format: Softcover
Vö-Datum: 21.11.2017
Originalausgaben: Captain America: Steve Rogers 7-11
Seitenzahl: 156
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Panini Verlag

Copyright Cover: Panini Verlag



Über den Autor

Fabian
Fabian

Warum denn so ernst?