Review

Den Einstieg in die neuen Abenteuer des klassischen Captain America Steve Rogers lieferte das Avengers-Crossover „Standoff – ohne Ausweg“. In dieser Storyline stand insbesondere S.H.I.E.L.D.-Chefin Maria Hill im Fokus. Diese hielt nämlich nach einer Gehirnwäsche Superschurken in der künstlichen idyllischen Kleinstadt Pleasant Hill als Gefangene, die dort ein friedvolles Leben führen sollten. Ermöglicht wurde dies durch Fragmente eines kosmischen Würfels, eines Objekts von unvorstellbarer Macht, das die Realität verändern kann und dessen Macht von den Beyondern stammt. Obwohl der S.H.I.E.L.D.-Direktorin eigentlich aufgegeben worden war, die Teile zu zerstören, nutzte sie diese im Geheimen weiter. Diese Fragmente verbanden sich in Form eines kleinen Mädchens namens Kobik, mit dessen Hilfe Maria Hill das Städtchen Pleasant Hill überhaupt erst erschuf. Es kam dann natürlich, wie es kommen musste: Baron Zemo, einer der mächtigsten Insassen, erlangte sein Bewusstsein zurück und zettelte einen Aufstand an. Kurz bevor das völlige Chaos ausbrach, kam Senior Steve Rogers dort an, um die Situation strategisch zu bewältigen. Jener originale Wächter der Freiheit, der vor einiger Zeit massiv gealtert war, da in dessen Blut das Supersoldaten-Serum neutralisiert worden war. In eben diesem Tumult erhielt Marvels patriotischster Held seine Jugend und Kraft von Kobik zurück.

Wer es noch genauer wissen möchte, liest einfach in  „Standoff – ohne Ausweg“ (Avengers-Hefte 4-8) nach.

Da Rogers zuvor altersbedingt seinen Schild und Dress aufgegeben und das Erbe seinem Freund und Ex-Falcon Sam Wilson anvertraut hatte (die Solo-Abenteuer von „Captain America: Sam Wilson“ erscheinen hierzulande leider nicht), gibt es nunmehr mit Miles Morales, dem Spider-Man des früheren Ultimativen Universums, und Peter Parker nicht nur zwei Spideys in der Marvel-Hauptwelt, sondern auch Captain America in doppelter Ausfertigung.

Die Handlung von „Captain America – Steve Rogers 1: Im Zeichen der Hydra“ ist als unmittelbare Fortsetzung zum Crossover „Standoff – ohne Ausweg“ zu begreifen, weshalb Vorwissen hier zwar wie immer nicht zwingend, aber durchaus förderlich ist. Insbesondere erfahren wir, dass Caps Erzfeind, der Red Skull, mit Hydra abermals große Ziele verfolgt:

Ich komme gerade aus Europa… meiner Heimat. Und wisst ihr, was ich dort gesehen habe? Ich sah eine Invasion. Diese sogenannten Flüchtlinge marschieren zu Millionen über den Kontinent und übersäen ihn mit Fanatismus und Kriminalität. Zünden Bomben, belästigen unsere Frauen. Und was machen unsere Politiker? Werfen sie sie raus oder schließen sie die Grenzen, so wie es ihre Pflicht wäre? Nein (…) Jämmerlich.

Wenn das doch nur schon alles wäre, was die Welt bedroht; aber es kommt noch dicker, denn der Jungbrunnen war für den amerikanischen Helden Steve Rogers nicht ohne Risiken und Nebenwirkungen. Denn Kobik hat, unter dem Einfluss von Red Skull stehend, heimlich, still und leise die gesamte Lebensgeschichte von Rogers umgeschrieben. Der ist nun der Auffassung, er sei schon seit Kindestagen ein loyaler Anhänger der Terrororganisation Hydra.

In Captain America – Steve Rogers 2: Der Krieg der Helden“ wird diese Storyline nun abermals weitergesponnen und dem Leser wird gewahr, dass die Handlungen der lebenden Legende Captain America schon eine geraume Weile von seiner Treue zu Hydra beeinflusst werden. Dabei gibt es hier zahlreiche Verstrickungen und vor allem Berührungspunkte zum aktuellen zweiten Krieg der Superhelden „Civil War II“. Ein Geflecht aus Intrigen und Manipulationen sowie die Abneigung gegenüber anderen Helden tritt hier zutage.

Die Ikone Captain America Steve Rogers meldet sich mit neuem Schild und neuen Verbündeten zurück. Dies wird hier aber schnell zur Nebensache. Überschattet wird nämlich alles von dem fiesen Twist, mit dem Autor Nick Spencer sich anschickt, die Legende von Captain America völlig umzuschreiben, indem er ihn zu einem treugesinnten Mitglied von Hydra macht. Für diesen Super-GAU hat sich Nick Spencer – wie die längere Vorrede schon zeigt – viel Zeit genommen und einiges an Vorarbeit geleistet. Spencer ist nämlich nicht nur der Kopf hinter den Abenteuern von „Captain America: Sam Wilson“ sowie von „Captain America: Steve Rogers“, sondern hat auch schon „Standoff – ohne Ausweg“ geschrieben. Steve Rogers „Heil Hydra“ sagen zu lassen und ihn als geheimes Mitglied dieser terroristischen Organisation zu outen, mag ein unpopulärer und gerade für Fans schmerzhafter Schachzug sein, ist aber womöglich gerade deshalb auch äußerst gelungen und wirksam.

Doch nicht nur diese Erschütterung der Legende von Captain America in ihren Grundfesten, sondern auch die neue Ausrichtung der Hydra machen diese neue Serie äußerst lesenswert. Ähnlich wie zuletzt in „Black Panther – Sturm über Wakanda (Band 2)“ ist auch hier feststellbar, dass man sich bei den Bedrohungen an der aktuellen Terrorgefahr orientiert und diesbezüglich Gedanken einfließen lässt.

Im Gegensatz zum ästhetischen Artwork von Javier Pina und Minguel Sepulveda, das die gelungene Ausgabe noch zusätzlich abrundet, enthält „Captain America – Steve Rogers 2: Der Krieg der Helden“ aber auch noch zwei „Filler-Episoden“, die hier völlig fehl am Platz wirken und zur Story nichts beitragen.

Fazit: Nick Spencer war bereit, eine Entscheidung zu treffen, die gerade in den USA wohl auf wenig Gegenliebe stoßen oder jedenfalls kontrovers aufgenommen werden dürfte. Dieser kreative Entschluss hat sich jedoch bisher durchaus gelohnt und „Captain America: Steve Rogers“ ist ausgesprochen lesenswert geraten. Man darf gespannt sein, wo der Weg des mächtigsten Agenten der rechten Terrorbande Hydra noch hinführt.

Inhalt

Während CIVIL WAR II die Welt erschüttert, greift der böse Red Skull heimlich nach der Macht. Doch ausgerechnet sein wichtigster Agent verfolgt eigene Ziele. Captain America ist zwar entschlossen, Hydras Einfluss auszudehnen. Aber friedlich und auf seine Art. Falls er die Vorhersage seines Todes überlebt.

(Quelle: Panini Verlag)

Autor

Nick Spencer
ist ein ehemaliger Politiker und heutiger US-amerikanischer Comicautor.

(Quelle: Wikipedia)

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Details

Format: Softcover
Vö-Datum: 18.07.2017
Originalausgaben: Captain America: Steve Rogers 4-6
Captain America: Sam Wilson 7 (III) + (IV)
Seitenzahl: 100
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Panini Verlag

Copyright Cover: Panini Verlag



Über den Autor

Fabian
Fabian
Warum denn so ernst?