Review

Ein weißes Frettchen, leuchtende Lichter und eine hübsche junge Frau, die eher weniger als mehr bekleidet ist – ja, das Cover des ersten „Broadway“-Bandes scheint schon auf den ersten Blick zu zeigen, worum es in den Roaring Twenties ging: Unterhaltung.

Autor und Zeichner Jean-François Bergeron, bekannt unter dem Pseudonym Djief, möchte seinen Lesern genau das liefern – „Broadway, eine explosive Show in zwei Akten“.

Binnen kurzer Zeit wird klar, dass Djief die Optik dieser dekadenten Dekade gekonnt einfängt. Seien es Straßenzüge, die in warmes Licht getaucht werden, oder verrauchte Etablissements, schon die Hintergründe bestechen mit Detailverliebtheit und Authentizität. Man könnte meinen, dass der Franzose selbst durch die New Yorker Straßenzüge der vergangenen goldenen Ära gewandelt ist. Der wahre grafische Schatz sind allerdings die Charaktere, denen man jede noch so kleine Gefühlsregung von der Nasenspitze ablesen kann. Dass dabei der eine oder andere Nippel hervorblitzt, ist schmückendes Beiwerk, das Stimmung erzeugt, aber nie aufdringlich wirkt.

Der erfahrene Zeichner zeigt also hier mal wieder das Talent, das in ihm schlummert, auch wenn sich diese Zeichnungen deutlich von seinen Vorgängerwerken wie „Götterdämmerung“ oder „White Crows“ unterscheiden. Djief kreiert seine Charaktere hier verspielt, sexy und realitätsnah.

Es lässt sich also mit gutem Gewissen sagen: Optisch lohnt ein Blick in den schmalen Band. Bevor die Showgirls dem Leser aber auf der Nase herumtanzen und er komplett das Lesen vergisst – was steckt denn nun hinter dem klangvollen Namen „Broadway“ für eine Knallerstory?

Leseprobe aus "Broadway 1" (Copyright: Splitter Verlag)

Leseprobe aus „Broadway 1“ (Copyright: Splitter Verlag)

Die junge Dame auf dem Cover ist Fanny. Fanny ist auf der Suche nach dem großen Glück, nach Ruhm oder zumindest nach einer neuen Anstellung, denn nach der jüngsten Eskapade ihres Frettchens hat sie ihren Tänzerinnenjob wieder verloren. Da sich Tollpatschigkeit im Showbiz fix herumspricht, sind ihre Aussichten auch nicht besonders rosig. Eine letzte Chance scheint das Chapman’s Paradise zu sein. Nachdem sich der Besitzer auf den Brettern, die die Welt bedeuten, das Leben nahm, stehen seine zwei Brüder vor der Frage, ob und vor allem wie sie von Schuhproduzenten zu Entertainmentprofis werden sollen. Ahnungslos, aber motiviert stürzen sich die beiden gemeinsam mit der Tänzerin Fanny und einer waschechten Showdiva ins Abenteuer zwischen Prohibition, Schutzgelderpressern und neidischen Konkurrenten.

Erstaunlich, wie viel Material Djief am Ende in den 48 Seiten verpacken kann, die er schließlich noch mit einer überraschenden Wendung garniert. Dabei kommt er ohne Gewalt und Liebesschnulzen aus, sondern stellt eben ein besonderes Etablissement in einer besonderen Straße dar. Auch wenn die Story insgesamt (noch?) nicht explosiv wie Dynamit ist, strickt Djief sie schließlich dicht wie Zigarrenrauch. So dicht, dass er sicherlich auch gerne die doppelte Seitenzahl hätte füllen können. Mehr ist manchmal eben doch mehr, allerdings handelt es sich dabei nicht um einen echten Kritikpunkt, sondern vielmehr um einen bescheidenen Leserwunsch.

Spannend, spaßig und ein bisschen sexy, so kommt „Broadway“ daher. The Show must go on!

Inhalt

Süffig wie ein Roman von Fitzgerald

Die 20er Jahre haben der Moderne mit ihrem Übermut, ihren wilden Rhythmen und ihren grellen Lichtern ihren Stempel aufgedrückt. Eine Straße in New York verkörpert dieses neue Ideal: Der Broadway!

Zwischen den Extravaganzen der Music Hall und den »Speakeasies«, umgeben vom Dunst gepanschten Alkohols, schläft der Broadway niemals. Die von Leuchtreklamen bedeckten Fassaden ziehen Männer und Frauen an. Gangster, Schriftsteller, Tänzerinnen, Neureiche und Berühmtheiten, sie alle treffen sich auf der »großen hellen Straße« und leben im Exzess ihre Version des amerikanischen Traums.

1929. Das »Chapman’s Paradise« ist derzeit geschlossen. Nach dem Tod von Walter beschließen Lenny und George Chapman, das Etablissement weiterzuführen. Doch seit dem Selbstmord des ältesten der drei Brüder ist der Club von einer düsteren Aura umgeben: Die Tänzerinnen haben das »Chapman’s Paradise« verlassen, und die beiden Brüder verstehen nicht viel vom Showbiz. Trotzdem versuchen sie unermüdlich, eine neue Truppe zusammenzustellen und aus dem Cabaret einen unverzichtbaren Teil des Broadways zu machen. Sie setzen alle Hoffnungen auf die junge Revuetänzerin Fanny King…

(Quelle: Splitter Verlag)

Autor

Djief,
mit bürgerlichem Namen Jean-François Bergeron, geboren am 7. Juli 1971 in Quebéc/Kanada, ist Comicautor und -zeichner.

(Quelle: Wikipedia)

Djief – Homepage
Djief – Facebook

Details

Format: Hardcover / Bookformat
Band: 1 von 2
Vö-Datum: 01.09.2015
Seitenzahl: 48
ISBN: 978-3-95839-117-8
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Splitter Verlag

Copyright Cover: Splitter Verlag



Über den Autor

Ivonne
Ivonne
"Gute Bücher sind Zeitgewinn, schlechte Bücher Zeitverderber, gehaltlose Bücher sind Zeitverlust." - Rosette Niederer