Review

Der Joker. Mein schlimmster Feind. Mein Antonym. Sogar der Teufel würde ihn aus der Hölle werfen! Einige denken dasselbe von mir. Ich habe so oft versucht, ihn aus Gotham zu vertreiben… aus meiner Stadt. Doch er ist… wie Unkraut.

Der dunkle Ritter gegen den Joker – die ewige Fehde der beiden Erzfeinde hat sich der in der Schweiz geborene, italienische Comic-Künstler Enrico Marini für seinen Ausflug in die Hölle von Gotham City ausgesucht.

Der Zeichner und Autor Enrico Marini gehört zu den bekanntesten Kreativen der europäischen Comic-Szene. Zu seinen Werken – vor allem im Alben-Sektor – der 9. Kunst gehören insbesondere die „Die Adler Roms“-Reihe, die bei Carlsen erscheint, „Der Skorpion“ (ebenfalls Carlsen) oder auch „Stern der Wüste“ (Panini). Auf die Qualität seiner künstlerischen Arbeit sind dann auch die Herren von DC Comics, insbesondere ein gewisser Jim Lee, aufmerksam geworden. Nachdem sich die Verantwortlichen des französischen Comicverlags Dargaud und jene des US-Verlags DC Comics geeinigt hatten, stand Marinis Batman-Zweiteiler im Albumformat nichts mehr im Wege.

Der mit Spannung erwartete Auftakt-Band mit „Batman: Der Dunkle Prinz 1 (von 2)“ – im Original „Batman: The Dark Prince Charming“ – liegt nun auch hierzulande vor und der Inhalt der intimen, recht einfachen Geschichte lässt sich wie folgt skizzieren:
Zunächst richtet der Joker bei einem Überfall auf einen Juwelier ein echtes Blutbad an und Batman hat alle Hände voll zu tun. Doch es kommt noch dicker für den dunklen Ritter – zumindest wenn es um dessen Privatleben geht. Eine ehemalige Kellnerin hat eine Vaterschaftsklage gegen Bruce Wayne eingereicht. Sie behauptet, Bruce sei der Vater ihrer achtjährigen Tochter. Selbstredend ist sie der Ansicht, dass ihr mehrere Millionen Dollar für die Zeit zustünden, in der sie ihr Kind allein und in Armut aufgezogen hat. Auf diese Nachricht wird aber natürlich auch der unberechenbare Clown-Prinz aufmerksam, der das Kind prompt entführt. Der dunkle Ritter muss sein Schäferstündchen mit Catwoman aufschieben und begibt sich in Gothams Unterwelt, um das unschuldige Mädchen aus den Klauen seines psychotischen Erzfeindes zu erretten.
Mehr wollen wir hier auch gar nicht preisgeben.

Eines gleich vorweg: Enrico Marini kredenzt Batman-Liebhabern vorliegend eine bockstarke, innovative Neuinterpretation nicht nur des grimmigen Dunklen Ritters und Gotham Citys, sondern auch aller anderen Charaktere wie Joker, Harley Quinn, Catwoman oder auch Killer Croc.
Gerade bei den Bösewichten ist spürbar, dass DC dem Künstler hier relativ freie Hand gelassen hat und so weisen diese eine recht
eigenwillige, gelungene und frische Optik auf. Außerdem hat er es gar gewagt, Commissioner Gordon eine E-Zigarette zwischen die Lippen zu schieben.

Leseprobe aus „Batman: Der Dunkle Prinz 1 (von 2)“ (Copyright: Panini Comics)

Eine besondere Augenweide sind auch seine opulenten und an großes Kino erinnernden Splash-Panels, die sich über die großen Seiten hinweg ziehen sowie seine detailverliebten Darstellungen von Gotham. Dabei harmonieren die Zeichnungen wunderbar mit seinen Farben. Durch seine insgesamt düstere Bildsprache spricht der „Marini-Batman“ definitiv ein erwachsenes Publikum an. Die eindrucksvolle Kunst von Marini profitiert dabei durchgehend von dem prächtigen extragroßen Album-Format, das seine Bilder noch pompöser erscheinen lässt.

Ausschlaggebende Kritikpunkte sind nicht auszumachen, auch wenn die Story bislang nicht bahnbrechend ist. Bisher läuft alles auf ein schlichtes, klassisches Psychospiel zwischen dem Mitternachtsdetektiv und dem Clownprinz des Verbrechens hinaus – aber die Geschichte wird doch nie alt.

Ob sich „Batman: Der Dunkle Prinz“ tatsächlich zu einem Klassiker oder „Meisterwerk“ – wie von Jim Lee geadelt – entwickelt, das kann nur die Zeit zeigen. Das Potenzial dazu hat seine Arbeit allemal. Jedenfalls sah Gotham City selten viel besser aus als in diesem Highlight der Batman-Mythologie.

Enrico Marinis Album-Zweiteiler wird voraussichtlich im Juni/Juli bei Panini fortgesetzt und wer sich Batman-Fan nennt, sollte sich diese hochwertige Comickunst auf keinen Fall entgehen lassen.

Teaser

Inhalt

Der Autor und Zeichner Enrico Marini wurde von den frankobelgischen Meistern um Moebius und Herman ebenso beeinflusst wie von Mangas und Filmen. Nachdem er zahlreiche Alben für den europäischen Markt realisierte, widmet er sich in diesem exklusiven Projekt Batman. Das Duell zwischen dem Dunklen Ritter und dem Joker wird so persönlich wie nie, als der Killer-Clown ein Mädchen entführt …

(Quelle: Panini Comics)

Autor

Enrico Marini
geboren am 13. August 1969 in der Nähe von Basel, studierte von 1987 bis 1991 Grafik an der Kunsthochschule in Basel. Schon früh war er vom japanischen Comic beeinflusst, verehrt aber auch große europäische Zeichner wie Moebius und Hermann. Entdeckt wurde er 1987 auf einem Festival in Sierre. Bald darauf erschien das erste Album seiner Serie „Olivier Varése“. Seit 1992 arbeitet er mit Thierry Smolderen an „Gipsy“ und fand daneben auch Zeit, den Western „Der Stern der Wüste“ und seine neueste Reihe „Rapaces“ zu konzipieren.

(Quelle: Carlsen Verlag)

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Details

Format: Hardcover
Vö-Datum: 29.01.2018
Originalausgaben: Batman: The Dark Prince Charming
Seitenzahl: 76
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Panini Verlag

Copyright Cover: Panini Verlag



Über den Autor

Fabian
Fabian
Warum denn so ernst?