Review

Mit dem zweiten opulenten Sammelband „Baltimore 2“ von Comic-Mastermind und Hellboy-Schöpfer Mike Mignola (Hellboy 16: Hellboy und die B.U.A.P. 1953″, „Hellboy Kompendium 2“, „Frankenstein Underground“) und Autor Christopher Golden („Baltimore 1“, „Snowblind. Tödlicher Schnee“) liegen die Abenteuer des Vampir- und Dämonenjägers Lord Henry Baltimore nun komplett in deutscher Sprache vor.

Bereits im Jahr 2015 erschien das erste – auf 1.222 Exemplare limitierte – Kompendium „Baltimore 1“ bei Cross Cult. Darin enthalten waren die ersten vier US-Sammelbände der Horror-Comic-Reihe: „Die Pestschiffe“ („Baltimore Volume 1: The Plague Ships“), „Die Glocken der Verdammnis“ („Baltimore Volume 2: The Curse Bells“), „Ein durchreisender Fremder und andere Geschichten“ („Baltimore Volume 3: A Passing Stranger and Other Stories“) sowie „Die Knochenkapelle“ („Baltimore Volume 4: Chapel of Bones“).

Der erste Story Arc befasst sich mit der Reise des rastlosen Vampirjägers quer durch ein im Elend versinkendes Europa. Nicht nur die Nachwehen des 1. Weltkriegs in Mitteleuropa und die Auswirkungen des schwarzen Todes sind omnipräsent, sondern auch der „rote Tod“ grassiert. Überall auf der Welt erscheinen Vampire, Monster, Dämonen und andere düstere Wesen, die von der Bösartigkeit der Menschheit genährt werden. Im Fokus steht dabei insbesondere der Rachefeldzug von Lord Henry Baltimore gegen den uralten Vampir Haigus. Dieser begegnete Baltimore einst auf dem blutigen Schlachtfeld, wobei diese Konfrontation den Blutsauger ein Auge und den Vampirjäger ein Bein kostete. Lord Baltimore kam es jedoch noch teurer zu stehen. Als der Krieg endete und er sich auf den Weg nach Hause machte, musste er entdecken, dass Haigus nicht nur seine Eltern und seine Schwester zu Vampiren gemacht, sondern auch seine geliebte Frau Elowen mit dem Bösen infiziert hatte. Auf seiner Suche nach Haigus soll Baltimore indes mit zahlreichen Hindernissen konfrontiert werden, die die Vergeltung für seine persönlichen Verluste zunächst hinauszögern. Denn nicht nur kehrt die mächtige Hexe Madame Blavatsky infolge eines diabolischen Rituals auf die Welt zurück; Baltimore ist seinerseits das Objekt der Obsession des fanatischen Inquisitors Richter Duvic, der den Monsterjäger selbst für ein Monster hält.

Dieser fantastische erste Comicband war bedauerlicherweise schon eine ganze Weile verlagsvergriffen. Umso erfreulicher ist es, dass Cross Cult auch neuen Lesern die Möglichkeit gibt, in die okkulte Welt von Captain Baltimore einzutauchen und zeitgleich mit „Baltimore 2“ auch eine neue Edition (mit einem neuen Cover) der ersten Sammlung präsentiert.

„Baltimore 2“ hält für die begeisterten Leser der Horror-Comic-Reihe und für Neueinsteiger die vier abschließenden Sammelbände bereit: „Der Apostel und die Hexe von Harju“ („Baltimore Volume 5: The Apostle and the Witch or Harju“), „Der Kult des Roten Königs“ („Baltimore Volume 6: The Cult of the Red King“), „Leere Gräber“ („Baltimore Volume 7: Empty Graves“) und das Finale mit „Das Rote Königreich“ („Baltimore Volume 8: The Red Kingdom“).

Im Mittelpunkt dieses Handlungsbogens steht das ultimative und (potenziell) letzte Gefecht Lord Baltimores. Antagonist ist der uralte und scheinbar übermächtige Rote König, Gott vor Göttern, der eine ganze Armee bluthungriger Wesen anführt, die der Menschheit hoffnungslos überlegen zu sein scheint. Darüber hinaus hält der zweite Sammelband auch einige Veränderungen bereit. Einerseits entfremdet sich unser „Held“ noch weiter von der Menschheit und wünscht sich sehnlicher denn je den Tod als seine persönliche Erlösung herbei; andererseits führt der griesgrämige Lord seinen unermüdlichen Kampf gegen die Mächte des Bösen hier überwiegend nicht mehr im Alleingang, sondern mit der Unterstützung eines mutigen Teams furchtloser Vampirjäger, von denen er sogar als seinen Freunden spricht.

Was kann man zu „Baltimore“ sagen? Es gibt weder für Comic-Fans noch für Freunde ausgezeichneter Horror-Geschichten einen plausiblen Grund, auf den reichhaltigen Genuss, den diese Reihe bietet, zu verzichten. Der ruhelose Vampir- und Dämonenjäger Lord Henry Baltimore ist ein fesselnder Protagonist und Antiheld, dessen Entwicklung von Mignola und Golden behutsam und kontinuierlich erzählt wird. So ist er gerade kein tugendhafter Held oder ein strahlender Hoffnungsträger der Menschheit, sondern ein bärbeißiger, mit diversen Waffen beladener,  einem Holzbein ausgestatteter und eine Harpune schwingender, desillusionierter Einzelkämpfer. Neben diesem gibt es im zweiten Sammelband noch sein Team furchtloser Vampirjäger, die ebenfalls mit gelungenen Background-Storys daherkommen.

Das Erster-Weltkrieg-Szenario gepaart mit der grassierenden Pest und dem „roten Tod“, das die Autoren hier entwerfen, ist durchgehend stimmungsvoll und atmosphärisch und zieht die Leser in seinen Bann. Es scheint kaum möglich, diese prachtvollen über 500 Seiten starken Kompendien auch nur kurz aus der Hand zu legen.

Leseprobe aus „Baltimore 2“ (Copyright: Cross Cult)

Nicht zuletzt ist dies natürlich ein Verdienst des gesamten künstlerischen Teams. Während die grandiosen Zeichnungen im ersten Sammelband noch durchgehend von dem neuseeländischen Starzeichner Ben Stenbeck („Frankenstein Underground“) stammten, ist in „Baltimore 2“ überwiegend Peter Bergting für das Artwork verantwortlich (abgesehen von dem Kapitel „Der Wolf und der Apostel“, das abermals von Stenbeck kommt). Die Ausgaben sind allesamt versiert gezeichnet und zeichnen sich durch ihre besondere Mischung von Schlichtheit und Detailreichtum aus, die Fans auch an den anderen Werken aus dem Mignolaverse lieben. Dabei kommen die hiesigen Bilder denen von Mike Mignola immer nahe und verfügen dennoch über einen eigenen Stil und ein eigenständiges Gepräge.
Hervorgehoben werden sollen abschließend auch die hervorragenden Farben von Michelle Madsen und Dave Stewart. Insbesondere Letzterer ist einer der erfolgreichsten und gefeiertsten Coloristen der Branche und hat schon vielfach mit Mike Mignola zusammengearbeitet. Bei einem derart massiven künstlerischen Potenzial kann am Ende des Tages nur ein außergewöhnliches Leseereignis für alle Fans stimmungsvoller Horror-Geschichten herauskommen.

Beide Comicbände kommen darüber hinaus mit zahlreichem Zusatzmaterial daher: Vorworte, Anmerkungen, Cover- und Skizzengalerien, Entwürfe und, und, und.

Aus allem Vorgenannten soll im Wesentlichen eines hervorgehen: Ein verblüffendes Werk – und eine wärmste Leseempfehlung!

Inhalt

Lord Baltimore verdient sich weitere Nägel für sein Kerbholzbein.

Im zweiten Sammelband rettet Lord Baltimore eine junge Frau vor ihrem untoten Gatten, macht sich mit einem Team furchtloser Vampirjäger auf, den Nachkommen einer dämonischen Hexe zu erledigen und jagt den Roten König. Man sagt, dass dieser zwar nur eine Legende sei, doch es scheint, als wäre der Mythos real und der König der ultimative Widersacher der Menschheit. Nun müssen entscheidende Opfer gebracht werden, um die Welt vor dem Bösen zu retten.

(Quelle: Cross Cult)

Autoren

Mike Mignola
(*16. September 1960 in Berkeley, Kalifornien, USA) ist ein Comicautor und -zeichner. Bekannt ist er vor allem durch seine Figur Hellboy.

(Quelle: Wikipedia)

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Christopher Golden
ist der mehrfach ausgezeichnete Autor vieler Fantasy-, Mystery- und Horror-Romane („Buffy“, „The Myth Hunters“, „Strangewood“ uvm.) und Comics. Seine Bücher erschienen bislang mit einer Auflage von über 8 Millionen Exemplaren.
Er lebt mit seiner Familie in Massachusetts, USA.

(Quelle: Cross Cult)

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Details

Format: Hardcover
Vö-Datum: 06.12.2017
Seitenzahl: 560
ISBN: 978-3-95981-615-1
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Cross Cult

Copyright Cover: Cross Cult



Über den Autor

Fabian
Fabian
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