Review

Bereits im Sommer haben wir einen Blick auf die Fernsehserie „American Gods“ von Bryan Fuller und Michael Green geworfen, die auf dem gleichnamigen Roman von Neil Gaiman („Sandman“, „Coraline“ oder auch „Marvel 1602“) aus dem Jahr 2001 beruht und insbesondere Elemente der Fantasy und der Mythologie beinhaltet. Die bildgewaltige, mitunter sehr artifizielle, des Öfteren anstößige und daher nicht unbedingt salonfähige TV-Adaption verdient eine klare Empfehlung und vermittelt durchaus Suchtgefahr. Für jeden, der aktuell (noch) nicht weiß, was er sich anschauen soll: die Serie ist bei Amazon Video verfügbar, kann mit tollen Darstellern wie Ian McShane, Peter Stormare oder auch Gillian Anderson glänzen und auch eine zweite Staffel ist schon in Planung.

Nun aber zum Thema. Beim Splitter Verlag ist jüngst das Hardcover „American Gods – Band 1: Schatten Buch 1/2″ erschienen und Leser hierzulande dürfen sich über die Comic-Adaption von Gaimans interessanter Idee freuen. Natürlich können wir hier nicht voraussetzen, dass jeder schon die Serie angeschaut oder etwa den Roman gelesen hat, weshalb wir selbstverständlich noch einmal eine kurze Inhaltsangabe anbieten möchten:

Protagonist Shadow hat drei Jahre lang im Knast gesessen. Während seiner Haft hat ihn insbesondere der Gedanke daran bei Laune gehalten, bald zu seiner geliebten Frau Laura heimzukehren. Doch diese Hoffnung soll kurz vor seiner Entlassung verpuffen, denn Laura ist bei einem Autounfall verstorben, wie man Shadow recht unaufgeregt mitteilt. Die Zuversicht auf eine rosige zweite Chance hat sich in Luft aufgelöst, und wie sich später herausstellen soll, waren selbst die Umstände, die zu Lauras Tod geführt haben, mit einem faden Beigeschmack versehen.

Auf dem Flug gen Heimat begegnet Shadow dem mysteriösen Mr. Wednesday, der ihn unbedingt als Leibwächter und persönlichen Chauffeur anheuern will, was ihm schlussendlich auch gelingen soll. Was Mr. Wednesday eigentlich plant, erschließt sich Shadow und dem Leser zunächst nicht, doch es häufen sich auf ihren gemeinsamen Reisen eigenartige, teils gewalttätige, teils bedrohliche und mitunter verwirrende Ereignisse. Ohne zu viel verraten zu wollen, scheint das doch alles mit alten Gottheiten, modernen Götzen und anderen Allmächtigen zusammenzuhängen.

Leseprobe aus „American Gods – Band 1: Schatten Buch 1/2“ (Copyright: Splitter Verlag)

Auch wenn der Zuschauer bzw. im hiesigen Fall der Leser im Falle von „American Gods“ eine ganze Weile im Dunkeln gelassen wird, so macht es doch enorm Spaß, diese eigentümliche Welt zu erkunden und ihren Geheimnissen auf den Grund zu gehen. Nach und nach wird der Konflikt um die Erlangung einer göttlichen Vorherrschaft deutlicher. Spannend wird sein, zu erfahren, warum Mr. Wednesday ausgerechnet an den Diensten des auf den ersten Blick absolut alltäglich wirkenden Shadows derart interessiert ist. Wem die Serie zugesagt hat, der wird auch seine Freude an der Geschichte in Comicform haben. Die Unterschiede sind bislang nämlich marginal.

Ein Wermutstropfen ist jedoch, dass die Comic-Variante in Sachen Optik deutlich hinter der TV-Serie zurücktritt. Gerade auch mit starken, eindrücklichen, extravaganten Bildern kann die Amazon-Serie hervorstechen, während das Artwork hier vergleichsweise nüchtern daherkommt. Dabei soll das nicht heißen, dass der Mann für die Zeichnungen, Scott Hampton, keine ansehnliche Arbeit abliefert; allein, sie sticht nicht derart hervor. An der einen oder anderen Stelle gewinnt man auch den Eindruck, dass gerade in einem Comic mit derart mannigfaltigen mythologischen Motiven über die Bildsprache noch mehr hinsichtlich Stimmungen und Gefühlen möglich gewesen wäre; stattdessen gerät das Werk hier und da unnötigerweise zu textlastig.

Im Großen und Ganzen gelingt es aber auch im Comic-Format, Neil Gaimans Idee ansprechend und Interesse weckend umzusetzen, weshalb „American Gods – Band 1: Schatten Buch 1/2″ zweifellos eine Leseempfehlung verdient.

Inhalt

Shadow hat es bisher nicht leicht gehabt im Leben. Kaum hat er seine unverdiente Haftstrafe abgesessen und will gerade zu seiner geliebten Frau Laura zurückkehren, erfährt er, dass sie einen tödlichen Unfall hatte – und das wird nicht der letzte Schicksalsschlag für Shadow gewesen sein. Darum hält ihn nichts davon ab, auf das Jobangebot des jovialen Mr. Wednesday einzugehen und dessen Leibwächter zu werden. Über Mr. Wednesdays Motive wird Shadow im Dunkeln gelassen, und die Personen, die er auf seinen Reisen quer durch die USA besucht, sind ebenso undurchschaubar. Der trink- und rauffreudige Mad Sweeney, das Bestatterduo Mr. Ibis und Mr. Jaquel und der grimmige Tschernobog sind noch die angenehmeren Bekanntschaften – andere Begegnungen wie die mit einem hochnäsigen Typen, der sich selbst den Technischen Jungen nennt, verlaufen deutlich bedrohlicher. Zur gleichen Zeit häufen sich in Shadows Umfeld merkwürdige Ereignisse, und es dauert nicht lang, bis Shadow mittendrin ist in einem uralten Konflikt von wahrhaft göttlichem Ausmaß.

(Quelle: Splitter Verlag)

Autor

Neil Gaiman

Es gibt nur wenige moderne Fantasy-Autoren, die erfolgreicher sind als Neil Gaiman. Geboren 1960 in Portchester in England, begann er seine Schriftstellerkarriere in den 80er-Jahren als Comicautor vor allem für DC, wo er seine bekannteste Reihe schuf, »The Sandman«. Nach seinem Umzug in die USA Anfang der 90er veröffentlichte er mit »Ein gutes Omen« seinen ersten Roman, den er mit Terry Pratchett zusammen geschrieben hatte. Weitere Romane und Comics folgten, ebenso wie Hörspiele und Drehbücher, auch im Bereich der Kinderliteratur (»Coraline«). Gaiman wurde mehrfach mit dem Eisner Award ausgezeichnet, und 2002 erhielt »American Gods« mit dem Hugo, dem Nebula und dem Locus Award die drei wichtigsten Preise der Fantasy-Literatur in den USA.

Gaiman, Vater von vier Kindern, lebt seit 2002 bei Minneapolis in den USA.

(Quelle: Splitter Verlag)

Neil Gaiman – Homepage
Neil Gaiman – Twitter

Details

Format: Hardcover
Veröffentlichung: 22.10.2017
Seitenzahl: 144
Band: 1 von 6
ISBN: 978-3-96219-001-9
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Splitter Verlag

Copyright Cover: Splitter Verlag



Über den Autor

Fabian
Fabian

Warum denn so ernst?