Review

Gefallene Engel, Magier, Menschen – dies alles und ebenso die Kombination jener Gruppen ist der geneigte Leser im literarischen Fantasy Bereich bereits gewohnt. In ihrem Roman „Das Haus der gebrochenen Schwingen“ greift auch die Autorin Aliette de Bodard auf diese bewährten Zutaten zurück, peppt das Ganze allerdings zusätzlich mit dem Einbezug eines sich derzeit großer Beliebtheit erfreuenden dystopischen Settings auf.
Urban Fantasy, platziert in ein postapokalyptisches Paris soll es in diesem Fall also sein, was die Leser fesseln möchte.

Doch schon nach den ersten Kapiteln wird deutlich: „Das Haus der gebrochenen Schwingen“ ist zudem ein Buch der gebrochenen Sprache. Nicht, dass Aliette de Bodards Schreibstil ein schlechter ist; an sich ist ihre Schreibe sogar sehr gut, da eher gehoben. Fans längerer Sätze kommen somit auf jeden Fall auf ihre Kosten und gerne mag es die Autorin (mit Ausnahme der simpel gehaltenen Dialoge) anspruchsvoll statt umgangssprachlich formuliert. Wer allerdings herkömmlicherweise auf leicht konsumierbare Lektüre zugreift, wird hier Schwierigkeiten haben, bei all der Formulierungsakrobatik den Fokus der Handlung im Auge zu behalten.

Dies scheint auch ein Problem für die Urheberin selbst gewesen zu sein, die von anfänglich guten Ideen zunehmend abzuschweifen scheint und den Roman letztendlich auf ein Mindestmaß an Inhalt reduziert; ganz anders, als man es auf den ersten Seiten noch erwartet hätte.
Der postapokalyptische Kontext bleibt dabei ebenso austauschbar wie einige Figuren profillos. Herunterbrechen lässt sich der eigentlich komplex(er) hätte ausfallende Plot am Ende auf die bewährten Fantasy-Zutaten, darunter sowohl die gewählten Figurengruppen als auch das Motiv eines Fluchs.

Wo will der Roman inhaltlich hin? Das ist somit zunächst die zentrale Frage, die sich nach Einführung diverser vielversprechender und vorläufig interessanter Charaktere stellt. Jene wird jedoch zügig von der Frage abgelöst, warum hier nicht das Potenzial ausgeschöpft wurde, das allein schon das Setting, sprich die dystopische Komponente, mit sich bringt.

Aliette de Bodard (Copyright: Lou Abercrombie)

Indem Aliette de Bodard permanent mit Andeutungen und vagen Formulierungen arbeitet, soll zwar Spannung erzeugt und über insgesamt 480 Seiten aufrechterhalten bleiben, schlussendlich führt dies aber nur zu einem immer wiederkehrenden Herausreißen aus dem Lesevergnügen und zu Schwierigkeiten, dem Sinn des Plots zu folgen. Letzteres vor allem auch deswegen, weil ständig neue Facetten (wie etwa neue Figuren, Schauplätze oder geschichtliche Vorkommnisse, die scheinbar relevant für die Geschichte sind) angerissen werden, ohne ihnen ausreichend Hintergrundinformationen zu verpassen.
Aus diesen Gründen wirkt „Das Haus der gebrochenen Schwingen“ zu oft fragmentarisch – und liest sich leider auch so.

Handlung

„Alles, was dir lieb und wert ist, wird zerschmettert; alles, was du erbaut hast, wird zu Staub zerfallen; alles, was du gesammelt hast, wird der Sturm davontragen …“

Paris liegt in Trümmern. Menschen, Magier und gefallene Engel kämpfen um die Herrschaft über die zerstörte Stadt. Silberspitzen, einst das mächtigste magische Haus der Stadt, steht vor dem Untergang. Von seinem Anführer Luzifer Morgenstern fehlt jede Spur, und ein tödlicher Fluch fordert immer mehr Opfer unter seinen Anhängern. Drei Außenseiter könnten die Rettung sein: der gefangene Magier Philippe, die junge Gefallene Isabelle und die Alchimistin Madeleine, die abhängig ist von einer zerstörerischen magischen Droge. Doch mit ihrem Wissen könnten die drei Haus Silberspitzen auch endgültig zu Fall bringen …

(Quelle: Knaur Verlag)

Autorin

Aliette de Bodard wurde in den USA geboren und wuchs in Paris auf, wo sie noch heute lebt. Ihre Geschichten erschienen in zahlreichen Magazinen und Anthologien und wurden vielfach mit Preisen ausgezeichnet. Für ihren Roman „Das Haus der gebrochenen Schwingen“ erhielt sie den renommierten British Science Fiction Award.

(Quelle: Knaur Verlag)

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Details

Format: Taschenbuch
Vö-Datum: 01.08.2017
Seitenzahl: 480
ISBN: 978-3-426-51986-8
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: Knaur Verlag

Copyright Cover: Knaur Verlag



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde