Review

Alexander Wohnhaas – diesen Namen dürften die meisten wohl auf Anhieb mit der Band Megaherz assoziieren, denn für jene steht der Augsburger seit 2007 erfolgreich am Mikro. Sich am Schallwandler derart wohlfühlend, arbeitet Wohnhaas zudem als Sprecher und damit nicht genug, entlädt er seine kreativen Ideen auch in literarischer Hinsicht. „Blutzoll – Der Tod riecht nach Diesel und Schwefel“ ist sein zweites und neuestes Werk und könnte mit seinem vielseitigen und durchdachten Inhalt angesichts der politischen und gesellschaftlichen Lage aktueller – und vermutlich leider auch zeitloser – nicht sein.

Rechtsradikalismus, Flüchtlingspolitik, das Anwerben von Dschihadisten, Terrorismus im Allgemeinen, soziale Brennpunkte, Ghettoisierung der Städte, häusliche Gewalt oder posttraumatische Belastungsstörungen im weitesten Sinne sind nur einige der vielen Themen, die Alexander Wohnhaas in „Blutzoll“ aufgreift, sodass der Leser beinahe Chaos im Roman erwarten könnte. Dem ist erstaunlicherweise nicht so, denn der Autor verbindet diese thematischen Bereiche gelungen miteinander und verknüpft sie eng und strukturiert mit seinen erdachten Figuren. Damit treffen nicht nur Fiktion und Realität aufeinander, sondern Wohnhaas kombiniert im Verlauf des Romans zudem geschickt die einzelnen Handlungsstränge miteinander.

Während Alexander Wohnhaas durch aktuelle Bezüge den Ist-Zustand unserer Gesellschaft widerspiegelt, begleitet der Leser die allesamt vielschichtig angelegten Figuren durch ihre Geschichten. Jene werden aus verschiedenen Perspektiven an die Leser getragen, während die einzelnen Ausarbeitungen der Charaktere ebenfalls dazu dienen, ein realistisches Bild von „Blutzoll“ zu zeichnen, das den Lesern die Figuren authentisch erscheinen lässt und sie ihnen näher bringt.
Nicht selten ist das Verhältnis zwischen Leser und Figur (vor allem aufgrund der Vielschichtigkeit der Charakterdarstellung) von einer Ambivalenz geprägt. So eint bereits der Protagonist Edgar Rabe unterschiedliche Seiten und Eigenschaften, die verschiedene Emotionen beim Leser hervorrufen. Vor allem die ihm zugeschriebene Entwicklung, hervorgerufen durch die ausdrucksstarke weibliche Figur Lisa, trägt zur Wendung des Romans sowie zum Umdenken beim Leser bei.

Alle erwähnten Aspekte des Romans schaffen eine Menge Raum für eigene Gedankengänge – und zum Nachdenken regt „Blutzoll“ definitiv an.

Immer wieder liest man zwischen den Zeilen, wie Wohnhaas selbst Stellung zu einzelnen Themen bezieht, und doch bleibt er in seinen Ausführungen wert- sowie lösungsfrei. Die Gründe dafür werden u.a. durch seine folgenden Äußerungen zum Roman deutlich:

Alexnader Wohnhaas (Copyright: Alex Kuehr)

Alexander Wohnhaas (Copyright: Alex Kuehr)

Wir leben in einem ständigen Klima der Angst und Unsicherheit. Doch ich habe vielmehr Angst vor denjenigen, die Antworten geben, als vor denen, die Fragen stellen. Nur wer infrage stellt und lieber mit anderen Menschen redet anstatt über sie, kommt der „Wahrheit“ ein Stück näher. Doch Wahrheit bleibt immer subjektiv. Wir alle tragen unsere „Wahrheit“ in die Welt hinaus.

Ersichtlich wird in „Blutzoll“, dass Wohnhaas seinem Credo selbst gefolgt ist, denn das Buch zeugt nicht nur von einer hervorragenden Recherchearbeit, es vermittelt zudem den Eindruck, dass sich der Autor intensiv mit den Inhalten auseinandergesetzt hat; dies vor allem – wie er ebenfalls selbst sagt (nachzulesen im Schlusswort) – durch Gespräche und tiefgründiges Fragen- bzw. Infragestellen.

Trotz aller Fiktion ist „Blutzoll“ somit ein äußerst realistischer Roman, der in seiner Wirkung umso erschreckender ausfällt. Ein mehr als lesenswertes Buch!

Handlung

Was haben Rechtsradikale, IS-Terroristen und ein junges Mädchen, das nur vom Fußball träumt, gemeinsam? Sie alle sind mit dem Schicksal eines Mannes verbunden, der glaubt, einmal im Leben alles richtig zu machen und dabei eine ganze Stadt in Angst und Schrecken versetzt.

Edgar Rabe ist Söldner. Einer, der für Geld Krieg spielt. Doch auch seine Verbrechen fordern einen Preis. Und dieser Preis heißt Blut. Das Blut der Monster …

(Quelle: U-line Verlag)

Autor

Alexander „Lex“ Wohnhaas, Sänger und Sprecher aus Augsburg, ist vor allem als Frontmann der erfolgreichen Rockband Megaherz bekannt. Er studierte Politikwissenschaften und Geschichte und liefert mit „Blutzoll – Der Tod riecht nach Diesel und Schwefel“ nun seinen zweiten Roman ab.

(Quelle: U-Line Verlag)

Alexander Wohnhaas – Facebook

Details

Format: Hardcover mit Schutzumschlag
Veröffentlichung: 25.01.2016
Seitenzahl: 320
ISBN: 978-3-944154-40-4
Sprache: Deutsch
Verlagshomepage: U-line Verlag

Copyright Cover: U-line Verlag



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde