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Berichte

29. März 2017

Bericht und Fotos: Leipziger Buchmesse und Manga-Comic-Con 2017

Leipziger Buchmesse –
oder:
Eine Frage des Platzes

Ich wusste es eigentlich besser. Immerhin blicke ich auf eine lange Erfahrungsgeschichte mit der Leipziger Buchmesse zurück. Seit meinem 15. Lebensjahr schon besuche ich sie – mal mehr, mal weniger regelmäßig – und weiß daher um ihre Vorzüge, aber auch um ihre Tücken. Und genau diesen erlag ich wie ein kleiner Messe-Frischling in diesem Jahr gnadenlos. Ich sage nur: Menschen.

In Zahlen ausgedrückt: 285.000! Im vergangenen Jahr waren es „nur“ 260.000 und damals war es schon voll. Die Leipziger Buchmesse 2017 nahm aber eine Dimension an, von der ich schlicht überwältigt wurde.

Frühzeitige Platzangst…

Schon am Donnerstag – eigentlich der ruhigste Messetag – betrat ich kurz nach 10 Uhr das Gelände – nach einer Taschenkontrolle, ein Novum! – und wurde von der Fülle mehr oder weniger erschlagen. Meine erste Überlegung war: Müssen diese ganzen Menschen nicht eigentlich arbeiten? Und um es den Kritikern gleich vorwegzunehmen: Nein, das lag nicht an den Cosplayern. Es waren wirklich und wahrhaftig „normale“ Besucher. Aber nicht verzagt und ab ins Getümmel. Bewaffnet mit dem mal wieder umfangreichen Programmheft machte ich vorsichtig meine ersten Schritte – und wurde gleich wieder ausgebremst. Einbahnstraße. Das neue „Besucher-Führungssystem“ griff bereits, was mich wiederum stark erstaunte. Sonst waren diese Umleitmaßnahmen erst samstags ergriffen worden, um den Besuchermassen Herr werden zu können.

Aber gut – den freundlichen Anweisungen der Herren mit den gelben Warnwesten folgend gelangte ich auf Umwegen in die Hallen und begann zunächst mit einer lockeren Erkundungstour. Von den Universitätsständen zu den Belletristik-Größen verschaffte ich mir einen ersten Überblick. So wie es aussah, war alles noch beim Alten. Also keine Panik, der alte Messehase wusste Bescheid und konnte sich nun in das diesjährige Programm vertiefen. Um dieses aber – der nächste Schock – recht schnell wieder auf die Seite zu legen. Denn: Auf den ersten Blick gab es nicht wirklich viele Highlights für mich.

Um diese wenigen immerhin mitzunehmen, machte ich mich schnell (haha) auf den Weg in Halle 1, wo kein anderer als Scott Koblish – Zeichner der Deadpool-Comics – eine ganze Stunde live auf der großen Bühne stand. Zwischen charmanten Plaudereien und dem Beantworten von (mehr oder weniger gehaltvollen) Publikumsfragen gewährte er den Zuschauern auch Einblicke in den Zeichenprozess und erfüllte sogar besondere Deadpool-Zeichen-Wünsche des Volkes. Größter Publikumsliebling dabei: Deadpool-Merkel und Deadpool-Trump – nur echt mit winzigen Händen!

Mehr Platz für Fantasie!

Man mag also von dem Comichelden halten, was man möchte – von Scott Koblish fühlte ich mich auf jeden Fall bestens unterhalten. Beflügelt davon ging es nach einer kleinen Runde durch die MCC weiter zur Halle 2 – in die Fantasy-Abteilung. Und siehe da: Auch hier gab es Neuerungen. Denn während noch im vergangenen Jahr diese Ecke wirklich klein und beengt ausfiel, gab es in diesem Jahr ein deutlich größeres Areal mit der Überschrift „Fantasy-Messebuchhandlung“. Natürlich war der Andrang entsprechend groß, darum bestaunte ich das Ganze nur von außen und zog dann weiter.

Und weiter und weiter und …. schließlich mit mächtig platten Füßen wieder ab. Immerhin wollte ich noch zwei weitere Messetage durchstehen. Was ich mir damit eingehandelt hatte, erkannte ich erst an den nächsten beiden Morgenden. Denn bereits die Anreise zur Messe war ein Abenteuer.

Die Zustände in den öffentlichen Verkehrsmitteln morgens können wohl nur Leute verstehen, die schon einmal in der Tokioer U-Bahn von einem Mann mit weißen Handschuhen in die Waggons gepresst worden sind. Immerhin war der Sprecher der Leipziger Verkehrsbetriebe am Hauptbahnhof ein wahrer Unterhaltungskünstler, der alle Gäste seiner Stadt sehr charmant und gut gelaunt zu den richtigen Bahnen lotste.

Kein Platz zum Atmen!

Ein ganz ähnliches Bild bot sich mir auch in den Messehallen. War der Donnerstag schon voll, war der Freitag eine deutliche Steigerung – doch der Samstag toppte einfach alles. Es gab wortwörtlich keinen Platz zum Atmen – geschweige denn (und das war für Samstag eigentlich mein Ziel gewesen) Platz zum Fotografieren. Weder die Glashalle, noch die MCC, noch das Außengelände der Messe reichten aus, um die Menschenmengen zu händeln. Selbst die tapfersten Cosplayer strichen die Segel und zogen sich in das CCL zurück – einem Teil des Messegeländes, der eigentlich früher kaum beachtet wurde, aber in diesem Jahr eine Art Schutzbunker für die Cosplayer wurde.

Wie lange noch, fragte ich mich, würde es dauern, bis die Fotografen und der Trubel auch hier Einzug hielten? Natürlich – Cosplayer wollen gern fotografiert werden. Sie haben viel Zeit und Mühe in ihre Kostüme gesteckt. Aber das Ganze sollte auch Spaß machen – doch nach Spaß sah dieses Ölsardinen-Feeling schon lange nicht mehr aus. Zumal einige Fotografen es in ihrem Eifer auch übertrieben und unglaublich viel Raum mit Reflektoren, Softboxen und weiterer Profiausrüstung einnahmen – im Übrigen bei dem herrschenden wunderbaren Frühlingswetter völlig unnötig. Aber Hauptsache man hat sein Revier abgesteckt.

Bei solchen Anblicken konnte ich mich nur kopfschüttelnd abwenden. Aber auch der Blick in das Programmheft hellte die Stimmung nicht mehr auf – denn bis auf wenige Veranstaltungen, die sich natürlich alle quasi überschnitten oder zu denen man es bei dem Andrang nicht mehr schaffen konnte, schienen es eher unspektakulärere Tage zu werden. Also quetschte ich mich durch die Gänge und beobachtete das bunte Treiben von der Seite aus, bis es schließlich hieß: Bye Bye, Leipziger Buchmesse!

Schon jetzt den Platz gebucht?

Doch Halt: So trist und grummelig das Ganze vielleicht jetzt auch klingt, möchte ich betonen: Jeder hat seine Berechtigung, die Messe zu besuchen. Es ist eine großartige Veranstaltung, vollgepackt mit vielen spannenden Events. Nur weil in diesem Jahr mein persönlicher Geschmack nicht ganz getroffen wurde, heißt es nicht, dass Leipzig nicht wieder ein wahrer Schmelztiegel für Ideen, Begegnungen und Meinungen war.

Galerie: Leipziger Buchmesse & MCC 2017

(Alle Fotos bei Flickr ansehen)

Die Leipziger Buchmesse 2018 hat also auf jeden Fall einen Besucher schon mal sicher: mich.

Allerdings werde ich dann vielleicht überlegen, eine Schaumstoffpolsterung an einigen Körperstellen zu tragen…



Über den Autor

Silvana
Silvana
A Cat is Purrfect.




 
 

 

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One Comment


  1. […] habe ich schon einen allgemeinen Messerückblick für das Deep Ground Magazin verfasst und veröffentlicht. Außerdem ist dort auch eine kleine Abhandlung über Cosplayer auf […]



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