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Berichte

22. März 2016

Bericht und Fotos: Leipziger Buchmesse und Manga-Comic-Con 2016

15.933 Schritte ohne Bücher auf dem Rücken.

Es ist wieder Freitag, nicht irgendeiner, sondern Buchmesse-Freitag! Man lernt ja aus seinen Fehlern, daher läuft dieses Jahr alles ein bisschen anders. Während letztes Jahr nicht nur die bedrückenden Menschenmassen, sondern auch Koffeinmangel den Buchmessegenuss trübten – ich berichtete hier -, wird 2016 easy.

Statt erst gegen halb zehn vom mal wieder schrecklich geplanten öffentlichen Personennahverkehr zur Ölsardine gemacht zu werden, beiße ich in den sauren Apfel namens „Extrafrüh“. Wenn alles glattgeht, sollte ich bereits um 9 Uhr das Messegelände erreicht haben. Der Plan geht auf, gewissermaßen. Nur eng – und nicht erdrückend! – verlief die Fahrt mit einem koffeinhaltigen Getränk, um das mich sogar die Zugbegleiterin beneidet, und gut gelaunten Mitfahrern fast schon spaßig.

Obwohl es dann noch gute 60 Minuten bis zur Öffnung der heiligen Hallen sind, herrscht auf dem Gelände der Leipziger Messe schon ein guter Ansturm. Ob die alle schon wissen, was sie heute anstellen?

lbm-2016-foto-01Ich zumindest muss erst einmal schauen, mich orientieren, vielleicht einen kleinen Plan schmieden. Am Ende wird dieser Plan zwar überhaupt nicht eingehalten, aber auch das weiß ich bereits aus den vergangenen Jahren, darum wird schon von vornherein eher locker überlegt. Man muss ja auch immer berücksichtigen, dass spontane Menschenaufläufe und damit verbundenes Zuspätkommen bei einer 30-minütigen Lesung schon das Aus bedeuten kann! Außerdem ist das Angebot wieder mehr als stattlich. Vorausplanen gelingt bei der miserablen Suchfunktion auf der Webseite der Buchmesse kaum, aber im 15mm starken Programm blättern, sorgt schon vor dem eigentlichen Messebesuch für „Bücherfeeling“.

Stattliche fünf Punkte landen auf der To-do-Liste, neben einigen Pflichtbesuchen bei Lieblingsverlagen, die auch ohne Programm feststehen.

Der erste Punkt wird direkt nach der Öffnung der heiligen Hallen angegangen, ein Vortrag auf dem „schwarzen Sofa“, also in der Halle der Manga-Comic-Convention, mit dem klangvollen Titel: „Präsentation des Projektmoduls „Mythos und Geschichte in Comics und Graphic Novels“. Tank Girl: die moderne Heldin schlechthin?“. Tatsächlich kenne ich einige Bilder von Tank Girl, aber das war es auch schon. Doch die sympathische Rednerin stellt sich und ihr Uni-Projekt interessant vor (und ich frage mich, warum ich so etwas während des Studiums nicht belegen durfte). Am Ende beschließe ich trotz der faszinierenden Parallelen, Tank Girl erst einmal außen vor zu lassen, schließlich ist der heimische Lesestapel gefühlt (und tatsächlich?) einige Meter hoch. Nichtsdestotrotz war das bereits gelungenes Infotainment (weitaus besser als die Lesung, die im letzten Jahr auf meiner Liste stand).

Anschließend galt es, in beruhigter Atmosphäre die Halle der Manga-Comic-Con unsicher zu machen. Zu den größeren Verlagen, deren Stände zum Stöbern einluden, gab es vor allem Händler. So weit das Auge reicht!

Gebrauchte und neue Comics und Mangas neben Kackhaufenplüschtieren, Asia-Food und Figurennippes. Neben Shirts, Bademänteln, Postern, Türstoppern, Staubfängern, Limonade in kleinen Glasflaschen, Kimonos, Plüschohren, Schwertern, Perücken, Postkarten und – ganz wichtig! – Luckypacks (also Überraschungstüten) konnte man fast vergessen, dass es hier auch um das Ursprungsmedium gehen soll. Die Besucher allerdings waren begeistert und schleppten tütenweise neue Errungenschaften Richtung Ausgang.

Ich selbst entschied mich nur für ein bescheidenes Lesezeichen von einer Illustratorin, die ihren kleinen Stand bei den Selbstmachern aufgebaut hatte, und setzte ein paar neue Comics auf meinen imaginären Einkaufszettel. So blieb nicht nur Geld für die übrigen Hallen im Portemonnaie, auch der Rücken freute sich. Die abschließende Runde nach dem Messebesuch sollte dann zum Shoppen genutzt werden.

Ganz nebenbei freue ich mich beim Flanieren auch schon über die ersten Cosplayer. Gefühlt waren es im vergangenen Jahr ein paar mehr, auch schon am Freitag, dafür haben sich aber alle wieder mächtig ins Zeug gelegt!

lbm-2016-foto-02

[Fun Fact am Rande: Es gibt dabei ja immer Trends. Dieses Jahr, wie zu erwarten, gehören dazu vor allem Deadpool und Harley Quinn. Für diese zwei Charaktere wurde am Sonntag ein extra Kostüm-Contest ins Leben gerufen!]

Also, Cosplayer und Comics beiseite, es gibt ja auch noch vier weitere, ebenso prall gefüllte Hallen, welche die übrige Buchlandschaft vertreten. Hier sieht man, was beim Messepublikum punktet: Während die Fantasyecke (oder besser das „Eckchen“) total überfüllt war, trauten sich beispielsweise zu den Universitätsverlagen gar keine Besucher. (Nachdem ich dort im vergangenen Jahr mit meinem Anliegen erfolglos war, zog ich bei diesem Besuch auch eher zügig daran vorbei.) Auch ein paar kleinere Verlage waren eher mäßig besucht, da wundert es nicht, wenn es im Vergleich zum letzten Jahr 13 Aussteller weniger auf der Messe zu finden gab. Aber ich muss zugeben, dass weniger Aussteller gleichzeitig auch mehr Platz in den Hallen bedeutet – bei 260.000 Besuchern ein nicht zu vernachlässigender Vorteil!

So ließ ich mich durch die Menschen- und Büchermengen treiben, den Blick abwechselnd auf Verlagsstände gerichtet oder mit der Nase im Programmheft. Statt von Lesung zu Lesung und Halle zu Halle zu hüpfen, entschied ich mich für gemütliches Bummeln, bis dann 15.00 Uhr die letzte Lesung auf meiner Liste rief, die ich definitiv nicht verpassen wollte.

Fantasy-Autor Christoph Hardebusch und die Band Van Canto luden zur Vorstellung des Crossmedia-Projektes „Feuerstimmen“ ein. Roman und Album, die in enger Zusammenarbeit zwischen Autor und Band entstanden, hinterließen (auch wegen der Gesangseinlagen) einen großartigen Eindruck. Schade, dass es hier nach 20 Minuten schon wieder vorbei war!

Galerie: Leipziger Buchmesse 2016

(Alle Fotos bei Flickr ansehen)

Nach diesem zweiten Veranstaltungshighlight hatte ich einen gemütlichen und interessanten Messebesuch hinter mir – aber abgesehen von dem oben erwähnten Lesezeichen wurde meinerseits nicht geshoppt. Irgendwie schade, die Buchmesse ohne ein Buch zu verlassen … aber ehrlicherweise muss ich auch zugeben, dass ich nach den 15.933 Schritten, die ich an diesem Tag zurückgelegt hatte, am Abend eh nicht mehr lesen wollte. Füße kühlen, neue Bücher von der Couch aus bestellen und aufs nächste Jahr mit der nächsten Messe freuen. Man sieht sich!



Über den Autor

Ivonne
Ivonne

„Gute Bücher sind Zeitgewinn, schlechte Bücher Zeitverderber, gehaltlose Bücher sind Zeitverlust.“ – Rosette Niederer






 
 

 

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  1. […] sehr gespannt auf eure Eindrücke! Die von meiner Lieblingsbegleiterin Iv gibt es zum einen beim DeepGround Magazine, zum anderen auf ihrem Blog zu […]



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