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9. Februar 2015

Bericht: Slipknot – Prepare For Hell Tour 2015 (Berlin, 07.02.2015)

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Verfasst von: Marcus
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Das Jahr hat gerade erst begonnen und uns stand eine der größten Metalbands ins Haus. Slipknot kommen mit ihrem neuen Album „.5 – The Gray Chapter“ endlich nach Deutschland. Doch der Reihe nach.

Seit Januar sind die Jungs zusammen mit Korn auf Tour. Beglückt werden das Vereinigte Königreich, Irland und Deutschland.
Was habe ich mich gefreut: Slipknot, Korn und King 810 auf einer Bühne. Ziel war die Berlin Show am 07.02.0215 in der Max-Schmeling-Halle. Doch das Drama fing schon bald an, denn Korn sind in Deutschland nicht mit dabei! Warum? Tja, da müsste man mal Jonathan fragen, denn laut Terminkalender der Band hätten sie frei. Naja, sei es drum. Für Deutschland gibt es somit „nur“ Slipknot und King 810.

Nach der Ankunft in Berlin ging es vor dem Konzert noch kurz zum Mexikaner und dann ab zur Halle. Dort hatte sich eine ewig lange Schlange gebildet, denn das Konzert war ausverkauft.
Einlass war um 18:00 Uhr, wir waren gegen 18:30 Uhr in der Halle. Kein Thema, denn Beginn war um 19:30 Uhr.
Als wir den Konzertsaal betraten, hatten King 810 bereits alles aufgebaut und waren bereit zu rocken.
Schon vor Showbeginn fiel auf, dass das Publikum sehr gemischt war. Alt, jung, Mann oder Frau, völlig egal. Die „Maggots“ kamen aus ihren Löchern, um ihre Helden zu feiern.

Logo King 810 (Copyright: King 810)

Logo King 810 (Copyright: King 810)

King 810 wird kaum jemanden etwas sagen, das haben sie mir bis dato auch nicht. Die Band pflegt ein Image, sie stammen alle aus Flint, einem Gewalt- und Drogenherd in Michigan. Der Alltag dort ist hart und voller Leid, das eignet sich perfekt für aggressiven Metal und die Jungs spielen mit ihrem Image.

Gegen 19:30 Uhr ging es los mit einem Einspieler, der eher an Gangsterrap erinnerte. Kurz darauf kam ihr Smashhit „Killem All“. Da war natürlich sofort Ausnahmezustand angesagt. Neben mir ging es sofort los mit wildem Geschupse und Vilolent Dancing. Super … ich möchte doch nur diese junge und moderne Band anschauen, muss ich mich nach den ersten 30 Sekunden direkt 3 Meter durch die Halle prügeln lassen? Ach, natürlich habe ich auch das eine oder andere Bier direkt an die Kleidung bekommen, yummy. Das alles ist allerdings auch der Band geschuldet, denn mit ihrem Mix aus Groove Metal, Punk / Hardcore und Emmure-artigen Einflüssen kann das junge Volk nicht anders als loszulegen.

Mächtig sind die Jungs, allerdings wirkten sie ein wenig verloren auf der Bühne. Gut, es sind eben auch nur vier Personen und so lange machen sie das auch noch nicht, weshalb ich mich allerdings frage, warum sie dann so eine riesige Tour supporten. Jeder fängt mal klein an.
Der Flüstergesang von David Gunn ist ziemlich gewöhnungsbedürftig und dürfte nur Personen überzeugen, die das Material vorher mal gehört haben. Der Vergleich mit Corey Taylor ist insofern nicht verkehrt, als dass David leicht psychedelisch daherkommt und er eher klingt, als wenn er aus seinem Tagebuch vorliest. Ziemlich interessant also, doch live ist das alles etwas anders.
Die riesige Halle war für ihren Stil eher schlecht, denn King 810 benötigen eine dichte Atmosphäre und eine beklemmende Umgebung, dann wirken sie auch richtig gut.

King 810 (Copyright: King 810)

King 810 (Copyright: King 810)

Zwischen den Songs gab es das eine oder andere technische Problem (beispielsweise beim Drummer) oder klemmende Mikrofonkabel. King 810 übertragen dennoch extrem viel Energie. Schlagzeuger Andrew Workman verprügelt sein Kit regelrecht, Sänger David springt hin und her und setzt sich gerne mal philosophisch auf den Boden, um seinen Aggressionen Ausdruck zu verleihen.

Kurzum: King 810 sind interessant und brauchen einfach mehr Erfahrung auf der Bühne, allerdings sollte diese Tour ihnen den nötigen Schub verleihen, um voll durchzustarten.

Nach dem Konzert war die Menge schon ordentlich angeheizt, weshalb der Großteil erst einmal in Richtung Toiletten verschwand. Das Unglaubliche passierte dort: die Männer mussten anstehen!

Logo Slipknot (Copyright: Slipknot)

Logo Slipknot (Copyright: Slipknot)

Nachdem nun jeder wieder gepudert war, ging es zurück vor die Bühne, wo jetzt ein blauer Vorhang das Bild zierte. Die Menge wurde dichter und wieder kam es zum Generationskonflikt. Hinter uns war die moderne Elite zu finden. Gedehnte Ohrlöcher bis zum Boden und groß gewachsen wie eine krumme Banane wurde eine Zigarette nach der anderen gequarzt. Ein älteres Paar fragte nett, ob sie vielleicht die Zigaretten ausmachen könnten, darauf gab es nur zurück: „Was will die Olle von mir? Labert die mich zu, dass ich die Fluppe ausmachen soll. Guck dir die mal an, wie die aussieht!“ … Da könnte man doch schon wieder …
Ich persönlich fand es klasse, auch älteres Publikum dabei zu haben. Jenes hat sich fein rausgeputzt; das alte Slipknotshirt ausgepackt und das Haar noch einmal schön angesprüht. Das sind die Fans, die Slipknot seit Jahren hat und braucht.

Slipknot (Copyright: Slipknot)

Slipknot (Copyright: Slipknot)

Nach einer geschlagenen Stunde Wartezeit vernahm man gegen 20:30 Uhr schließlich das neue Intro von „.5: The Gray Chapter“. „XIX“ haben alle Hörer bereits verinnerlicht, weshalb jeder den Songtext mitsang. Es war herrlich, die Gänsehaut begann und die Vorfreude stieg ins Unermessliche.

Dazu muss ich sagen, dass ich nicht viel erwartet habe. Seit der „Iowa“-Platte bin ich Fan, aber ob Slipknot es live auch bringen?
„Disaterpiece“ war eine grandiose Platte, doch die Zeiten sind vorbei. Die Jungs springen nicht mehr zehn Meter in die Tiefe und brechen sich die Füße. Also, was war zu erwarten? Völliger Ausnahmezustand war zu erwarten!

„Sarcastrophe“ erklang und jeder freute sich darauf. Der Vorhang viel und die Helden waren nun endlich zu sehen, auf einer pompösen Bühne mit den bekannten Percussiontürmen und einer großen Maske im Hintergrund. Als der Song dann richtig losging, war die Masse nicht mehr zu halten. Wenige Augenblicke später befand ich mich locker zehn Meter vom Ausgangspunkt entfernt und war wild am Bangen und Mitgrölen. Die Energie, die Corey und seine Jungs auf das Publikum übertrugen, war unfassbar. Vergesst Cannibal Corpse oder brutale Bands wie Behemoth. Was Slipknot bei einer Liveshow bieten ist der blanke Wahnsinn. Ich mag das neue Material nicht mal sehr, aber live war es köstlich.

Der Sound war glasklar und jedes bekannte Riff auch hörbar, ebenso Coreys gute Stimme. Wo nimmt der kleine Mann das her? Meine Frage, ob die Extratrommeln vom Sound etwas ausmachen, wurde auch beantwortet. Auf Platte wirken sie nicht so, aber live hauen sie dir den Kopf vom Torso.

Zwischenzeitlich wurde es um mich herum leerer und überall liefen Menschen herum – Apocalypse now!
Erschreckend oft fiel mir auf, dass sich Leute auszogen, zumindest ihr Oberteil, um ihre Muskeln zeigen zu können. Ist das neuerdings so? Zudem flog alle paar Sekunden ein Restbier durch die Halle, aber das war egal, weil Slipknot ihre Fans unter Kontrolle hatten.

Songs wie „The Devil In I“ oder „Duality“ durften nicht fehlen und wurden natürlich auch gespielt. Ich habe schon lange keine Songtexte mehr auf Konzerten mitgesungen, aber bei Slipknot musste das einfach sein. Ein Gefühl von Einheit machte sich breit, sobald alle die bekannten Zeilen sangen.

Slipknot (Copyright: Slipknot)

Slipknot (Copyright: Slipknot)

Die Setlist war sehr durchmischt, Slipknot boten für jeden Geschmack etwas. Ob Glanzstücke wie „People = Shit“, „The Heretic ANTHEM“, „Sic“, „Wait and Bleed“ oder „Psychosocial“, alle waren sie vertreten und zündeten immediately. Einzig die Platte „All Hope is Gone“ wurde etwas vernachlässigt, aber das war zu verkraften, da genug Klassiker am Start waren. Sogar „Spit it Out“ konnten wir genießen, inklusive Hinhocken und Warten auf das „Jump The Fuck Up“. Man merkt, dass man alt wird, wenn man sich bei seinem Vordermann abstützen muss …

Bis 22:30 Uhr war das Konzert im Rahmen der „Prepare For Hell Tour“ ein kompletter Abriss. Ich war vollgeschwitzt und mein Nacken sagte schon nach kurzer Zeit „Schönen Feierabend, ich gehe heute früher!“.

Der Heimweg war entsprechend hart, aber die Fahrt hat sich gelohnt. Für mich war es das bisher beste Konzert in meinem Leben. Wie bereits gesagt, Bands wie Hour Of Penance oder Decapitated machen brutale Musik, aber nur Slipknot bringen den Hass auf die Bühne, diese kompromisslose Energie, die oftmals fehlt. Kein Konzert wird jetzt mehr so gut sein, wie dieses. Ich bin froh, Slipknot noch einmal gesehen zu haben und kann wirklich jedem empfehlen, diese Band bei Gelegenheit mitzunehmen und sich dabei völlig kaputt zu machen, die Jungs rund um Corey werden es euch danken.

Video

Details

Slipknot – Homepage
Slipknot – Facebook
Slipknot – Twitter

King 810 – Homepage
King 810 – Facebook
King 810 – Twitter

Datum: 07.02.2015
Location: Max-Schmeling-Halle, Berlin

Copyright Artikelbild: Kick The Flame



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