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Berichte

23. August 2016

Bericht: M’era Luna Festival 2016

Seit 2000 finden sich am zweiten Augustwochenende düstere und dunkelbunte Gestalten aus ganz Europa in Hildesheim bei Hannover ein. In den letzten Jahren durchgängig ausverkauft mit 25.000 Besuchern zählt das M’era Luna nach dem Wave Gotik Treffen zu den größten und traditionsreichsten Festivals der alternativen schwarzen Szene.

Noch bei grauem Regenwetter stehen am Freitagnachmittag die Camper Schlange mit ihren Bollerwagen, Kühl- und Reisetaschen und schwanken zwischen Freude über ein bisschen Bewegung nach teilweise sehr langen Anfahrten (und abenteuerlichen, aber professionell durchgeführten Parkplatzeinweisungen) und Missmut über die jedes Jahr aufs Neue unerwartete Wartezeit beim Einlass, während der man zumindest den frisch designten Lageplan studieren und nach einem Sekundenschaf auch die fliegende Wurst als Bändchen(ausgabe) identifizieren kann. Dabei gab es gerade beim Bändchenzelt am Campingplatzeingang (ein zweites Zelt befand sich am anderen Zugang des Geländes) eine Slow und eine Fast Lane (mit oder ohne zu kontrollierendes Gepäck) und generell waren Gelände und Ordner gut organisiert.

Diary of Dreams, Mainstage (Copyright DeepGround, Maria)

Diary of Dreams, Mainstage (Copyright: DeepGround, Maria)

Pünktlich zum Abebben des ersten frühen Besucheransturms zeigte sich das Festivalwetter auch wieder von seiner sonnigen Seite und die Karawanen konnten munter weiterziehen und verschiedene Services wie Safeboxen inklusive Handyladestation schon in Anspruch nehmen. So hat es sich z.B. eingebürgert, dass man ein fertig aufgebautes Zelt mieten kann und der Mittelaltermarkt, der sich außerhalb des eigentlichen Festivalgeländes vorgelagert findet, schon am frühen Abend öffnet.
Auch die Händlermeile und das Händlerzelt hatten diese Option und so konnten die frühen bunten Vögel schon die ersten Angebote rund um die Subkultur des Gothic wahrnehmen und sich mit Tonträgern, Schuhen, Bekleidung und Accessoires von Patches über Headpieces bis hin zu Kaffeetassen eindecken, sich bei Peta2 oder Viva con Aqua informieren und über den Flugplatz flanieren.
Am Abend wurde gegen zusätzlichen Eintritt in den Hangar zu Lesungen von Markus Heitz, Luci van Org und Christian von Aster und danach zur Eröffnungsparty mit dem Gothminister DJ Team (Tom Lesczenski und Frank D’Angelo) geladen, um sich zu elektronischer Musik schon einmal in Stimmung zu stampfen.

Der Samstag konnte dann mit dem Early Bird Frühstück auf dem Festivalvorplatz um 6.30 Uhr oder in klassischer Campermanier mittags 11 Uhr mit den französischen Newcomern Shaârghot, den Berliner Darkrockern Vlad in Tears und den NDH-lern von Erdling starten.

Der frühe Nachmittag gehörte älteren Szenegrößen aus den späten Achtzigern und frühen Neunzigern wie Lacrimas Profundere, Oomph! und Diary of Dreams auf der Mainstage mit großem Open Air Gelände, die im Allgemeinen rockiger gehalten war, und Noisuf-X und Cassandra Complex im Hangar in eindeutig elektronischerem Ambiente.

Lacrimosa, Mainstage (Copyright DeepGround, Maria)

Lacrimosa, Mainstage (Copyright: DeepGround, Maria)

Mit Apocalyptica, :SITD:, Lacrimosa, Die Krupps, VNV Nation und Hocico ging es weiter auf die musikalische Zeitreise bis hin zum Headliner Sisters of Mercy. Die 1977 gegründete Gothrock-Formation ließ den Abend mit allseits bekannten Klassikern ausklingen und auch Nicht-Fans genossen die familiäre Atmosphäre – und wer sich nicht vor der Bühne drängte, genoss die entspannte Atmosphäre bei den Händlern oder wählte aus dem breitgefächerten kulinarischen Angebot.
Neben der Übertragung der Hangar-Konzerte auf einen Bildschirm beim Händlerzelt gab es Live-Übertragungen vieler Konzerte über den NDR im Internetstream. Auch ein eigenes Festivalradio sorgte für zusätzliche mediale Verpflegung aller Interessenten.

Wer sich nicht frühzeitig um Festival-Merchandise kümmerte, hatte bei einigen sehr gefragten Motiven schon am Samstag das Nachsehen; die bandeigenen Artikel wurden teilweise nur während und direkt nach dem Konzert vertrieben und auch die Autogrammstunden waren heiß begehrt, sodass zwischen aller Entspannung doch auch manchmal gutes Timing gefragt war.

Die After-Show-Party mit Martin Engler und Sven Enzelmann war offiziell bis 5 Uhr morgens angesetzt, die rasende Reporterin räumte aber gegen 1 Uhr das schon nicht mehr ganz so überfüllte Feld, schließlich sollte der Sonntag auch noch mit einigen Highlights gespickt sein.

Dieser wurde wieder zur frühen Mittagsstunde eröffnet von Newcomern wie Aeverium und Me The Tiger neben dem gestandenen Geheimtipp Essence of Mind. Frühe Größen wie der Schwede Agent Side Grinder oder die Mexikaner Rabia Sorda wurden pünktlich zum Mittag serviert und übergaben an ebenso weit reisende Kollegen wie Beborn Beton, Faun, Combichrist und Letzte Instanz. Neben elektronisch untermauertem Rock und Neuer Deutscher Härte gab es auch viele sanfte Töne wie zum Akustikkonzert des Lord Of The Lost Ensemble, den Cello-Rockern Apocalypticas vom Vorabend sowie des Headliners an diesem Abend, Within Temptation, die ihren Symphonic Metal mit Unterstützung eines Trommlers, einer Geigerin, viel visueller Show und nicht zuletzt einem überraschenden Gastauftritt von Tarja Turunen ausschmückten. Abwechslung in der Instrumentenauswahl gaben auch die Altrocker von In Extremo, avantgardistisch wurde es bei IAMX und sogar politisch bei Eisbrecher, die ihren Hit „This Is Deutsch“ mit satirischen Kommentaren und Transparenten zur aktuellen Medien-, Debattier- und Demonstrationskultur in Deutschland untermalten. Neben dem groß gefeierten 20-jährigen Bühnenjubiläum Within Temptations jubilieren u.a. auch :SITD:, Diorama und Suicide Commando in kleinerer Runde und man darf gespannt sein, wer nächstes Jahr in dieser vom Veranstalter FKP Scorpio wieder als „friedvoll“ und „ruhig“ betonten Atmosphäre feiern darf.

Marktplatz Hildesheim (Copyright DeepGround, Maria)

Marktplatz Hildesheim (Copyright: DeepGround, Maria)

Schwarzmalerei gibt es allgemein wenig, wenn auch der eine die „Bierjungs“ verteufelt und der andere sich „Kaffeejungs“ wünscht und es auf einem Festival dieser Größenordnung sowieso nie genug nahe Parkplätze und fest installierte Toiletten geben kann. Die Veranstalter und auch die Stadt Hildesheim sind jedenfalls sehr bemüht stets zu verbessern und entwickeln. So gibt es alljährlich die Umfrage mit der Gewinnoption auf Festivaltickets für den 12. & 13. August 2017 und der Nachruf beinhaltet auch Hinweise auf das städtische Fundbüro (Hildesheim kann man aber auch ohne vorherige Verluste persönlicher Wertgegenstände einmal besuchen).

Nicht zuletzt in den sozialen Medien kann man dann noch einmal den Instagram Takeover von Sharon den Adel oder Panorama-Fotos Revue passieren lassen, während auch die Anfragen via Facebook immer zeitnah und professionell bearbeitet werden. Nicht umsonst steht das M’era Luna für viele schon prinzipiell als Kurzurlaub fest, unabhängig des Line-ups. Bis dahin hat sich auch der Sonnenbrand wieder erholt.

Livestreams auf der Homepage des NDR

Video

Details

M’era Luna – Homepage
M’era Luna – Facebook
M’era Luna – Twitter

Datum: 13. & 14. August 2016
Location: Flugplatz Drispenstedt, Hildesheim

Copyright Artikelbild: FKP Scorpio



Über den Autor

Maria
Maria
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